Allen bösen Zungen zum Trotz, die seit den langen Frosttagen dieses Winters unken: Die IGA 63, die Internationale Gartenbauausstellung in Hamburg, findet nicht nur im Saale statt. Zwar wird Bundespräsident Lübke bei der feierlichen Eröffnung am 26. April im 76 Hektar großen Freigelände die Blumen hier und da noch etwas suchen müssen und sich mehr an exotischen Treibhausblüten in den großen Ausstellungshallen delektieren, aber bald danach, so meinen die Gärtner, komme dann der Frühling mit überwältigender Pracht. Alte Gärtnerregeln sagen, die Natur hole nach einem strengen Winter in wenigen Tagen alles nach. Dann kommen die ersten Vorfrühlingsblüten, die sonst bei Gartenschauen meist schon verblüht waren, zugleich mit den Mai-Tulpen, Narzissen und Blütensträuchern.

Und wenn am Eröffnungstage die Gärtner im Hintergrund noch mit Schiebkarren und Spaten am Werk sind – was schadet es bei einer Gartenschau, die fast ein halbes Jahr dauert und die für jeden Monat neue Blütenreize verspricht? Sowieso sollten Schaulustige und Informationsbegierige nicht gleich in den ersten Tagen in die Hansestadt reisen, wenn die „Offiziellen“ Hotels und Straßen bevölkern. Etwas später sieht man in Ruhe mehr und hat’s bequemer. Auf jeden Fall aber lohnt es sich, bei der Ferienreise einen Abstecher nach Hamburg vorzusehen oder zwischendurch einmal hereinzuschauen. Attraktionen gibt es genug – nicht nur für Fachleute und Gartenliebhaber.

Der große Aussichtsturm mit drehbarem Restaurant, um den es ungezählte Diskussionen gab (mit oder ohne Fernsehen, auf dem Ausstellungsgelände oder daneben), wird nun zwar erst nach der IGA gebaut, aber luftige Fußgänger-Brücken, zum Teil mit eingebauten Restaurants, und die Gondeln der 1,5 Kilometer langen Drahtseilbahn geben auch ganz schöne Möglichkeiten, das Spectaculum von oben zu genießen.

Die größte Blütenpracht konzentriert sich auf den wohl allen Hamburg-Besuchern bekannten Park von „Planten un Blomen“, der schon Schauplatz der ersten Internationalen Gartenbau-Ausstellung vor zehn Jahren war. Hier blühen zuerst auf großen Schaubeeten die Tulpen zum Sortenvergleich. Ihnen folgen von Ende Mai an Hunderte von Iris-Sorten, die zum Teil zum erstenmal in Deutschland gezeigt werden (Iris barbata und, in besonderen Wasserbecken, die japanische Iris kaempferi aus den Gärten des Tenno), später Lilien, Rosen, Stauden und Sommerblumen in bunter Fülle.

Gleich rechts vom Haupteingang sind vier neuangelegte Rosengärten zu sehen, die zeigen sollen, welche Pflanzen man den stolzen Rosen zur Begleitung geben kann, um ihre Wirkung noch zu steigern. Hier gibt es auch mehrere Lokale, teils sogar mit Musik und Tanz, und auf dem großen Parksee – im Winter Deutschlands größte Kunsteisbahn – tanzen auch die Fontänen allabendlich im farbig angestrahlten Wasserballett. Wer fürchtet, beim Rundgang durch den Park zu schnell müde zu. werden, kann sich auch mit Stier Miniatur-Eisenbahn im Zehn-Kilometer-Tempo durchs Gelände schaukeln lassen. Außerdem gibt es in Planten un Blomen noch den Philips-Aussichtsturm, einen Minigolf-Platz, eine Rollschuhbahn, einen Kinderspielplatz, einen Bücherpavillon, einen interessanten Apotheker-Garten mit vielen Heil- und Giftpflanzen und vier vorbildliche Beispiele für die beliebten Steingärten.

Eine Fußgängerbrücke, bestückt mit Weinstube und „Bratwurstglöckle“ und für ganz Bequeme mit einem rollenden Fußgänger-Förderband versehen, führt in den Botanischen Garten. Hier kann man, falls die Sommersonne zu wünschen übrig läßt, in neuen Tropenhäusern unter Palmen, Gummibäumen und Orchideen wandeln oder auf den Mittelmeer-Terrassen vom Urlaub im sonnigen Süden träumen.

In den anschließenden Wallanlagen zeigen die Gartenarchitekten ihre Künste im kleinen und im großen. Im großen, indem sie aus den bisher von mehreren Straßen durchschnittenen und beengten Grünanlagen auf der alten Stadtbefestigung einen durchgehenden grünen, langgestreckten Erholungspark machten. Ohne eine Straße zu betreten – man geht entweder drüber oder drunter weg –, kann man jetzt von der Alster an die Elbe spazieren. An Stelle des nach dem Kriege mit Trümmerschutt zugeschütteten Stadtgrabens begleiten jetzt vielerlei Wasserspiele den Weg, darunter sogar eines, bei dem das Wasser scheinbar bergauf fließt. Gartenarchitektur im kleinen zeigen, in die Anlagen eingestreut, 29 Beispiele von Wohngärten, angelegt von Architekten aus aller Welt. Hier kann man sich aussuchen, ob man seinen Garten zu Hause demnächst lieber japanisch oder marokkanisch oder norwegisch anlegen will.