Das lieblose Urteil: viel Ordnung, wenig Gemüt – Fragen im „Schlaraffenland der Kulturkritiker“

Von Peter Hofstätter

Professor Dr. Hofstätter ist Direktor des Psychologischen Instituts an der Universität Hamburg

Gesprächsflauten überwindet man leicht durch einige belanglose Worte über das Wetter oder über die katastrophale Beamtenhypertrophie unserer Gesellschaft. Belesene Leute können sich dabei auch auf „Parkinsons Law“ berufen, obwohl sie das Büchlein – der Bestseller-Liste gehorchend – natürlich nur überflogen haben. Mit der uns eigenen Ernsthaftigkeit merkten sie dabei auch gar nicht, daß der Autor bloß scherzte. Man ist sich jedenfalls darüber einig, daß es zu viele Beamte gibt; wie viele es eigentlich sind, weiß man allerdings nicht. Aber wozu auch, wo doch feststeht, daß es zu viele sind?

Ein Sachverhalt dieser Art läßt den Psychologen aufhorchen, denn er vermutet hinter der gängigen Phrase Vorstellungen, deren begriffliche Formulierung seinen Gesprächspartnern schwerfällt, die aber etwas mit dem stets wieder faszinierenden Komplex des kulturkritischen Unbehagens zu tun haben.

Überlegungen dieser und ähnlicher Art veranlaßten meinen Mitarbeiter, den Diplompsychologen Werner Tack, und mich zu einer Untersuchung auf repräsentativer Basis. Wir konnten dabei von der Tatsache ausgehen, daß sich der aus 1 148 000 Beamten und 600 000 Angestellten des öffentlichen Dienstes (Stand vom 2. Oktober 1960) zusammensetzende Verwaltungsapparat der Bundesrepublik mit seinen etwa 1,75 Millionen Personen genau an der Stelle des internationalen Trends befindet, wo man ihn auf Grund einer allgemeinen, schon seit mehreren Jahren bekannten Formel erwarten würde. Die Gleichung ist im Grunde einfach:

log V = K + R log P = – 2,512 + 1,134 log P