Fällt König Hussein von Jordanien als nächster mittelöstlicher Staatschef dem Traum von der „arabischen Einheit“ zum Opfer? Kaum wurde in Kairo die Gründung der zweiten „Vereinigten Arabischen Republik“ proklamiert, zu der sich Ägypten, Syrien und der Irak nach langwierigen Verhandlungen zusammengeschlossen haben, da brach in Amman auch schon der Sturm der jordanischen Nasser-Anhänger gegen den jungen Haschemitenkönig los. Es kam zu Schießereien, das Parlament wurde aufgelöst, der Ausnahmezustand ausgerufen, der Onkel Husseins, Bin Nasser, als neuer Ministerpräsident eingesetzt. Der König, der sich in den letzten Jahren gegenüber dem unerbittlichen Drängen vor allem der Palästina-Flüchtlinge nach einem Anschluß des Landes an das Nil-Reich zu behaupten vermochte, muß sich wiederum auf seine Armee stützen.

Dabei ist der Kairoer Dreierbund vorläufig nicht viel mehr als ein papierenes Gebäude. Zwar haben sich die Regierungschefs grundsätzlich geeinigt – doch ob die Föderation auch tatsächlich zustande kommt, entscheidet sich erst im Spätsommer, wenn die Ergebnisse der Volksabstimmungen vorliegen. Und selbst dann ist noch manches in der Schwebe: Ob sich Nassers Idee eines Einparteien-Staates doch noch durchsetzt, ob sich die Regierungen in Damaskus und Bagdad damit abfinden, daß sich der Kairoer Regent zum Chef der neuen Republik auf wirft, ob sich die verschiedenen Wirtschaftssysteme aufeinander abstimmen lassen?

So ungewiß die Zukunft des neuen arabischen Staatengebildes auch sein mag – der Funke der Revolution, der die Lunte im Jemen, im Irak und in Syrien in Brand setzte, ist nun auf Jordanien übergesprungen. Mit Hussein bangt auch König Ibn Saud von Saudi-Arabien um seinen Thron, und in Israel wächst die Furcht vor der endgültigen Umklammerung durch den panarabischen Feind. D. St.