Sonderbar: Da hat man sich das müde Arbeitsgemeinschaftsprogramm in den letzten Wochen vor dem Start der Mainzer Konkurrenz immer mit dem Zurückhalten aller belangvollen Sachen erklärt, mit einer arglistigen Ansammlung von Paradestücken also, die den Neulingen bei Holzamer den Atem verschlagen würden.

Und nun geht’s im müden Trott weiter, nichts von sonderlichem Gewicht auf der ersten Röhre während der schweren Anlaufzeit der zweiten. Drei Wochen nach Beginn des Zweiten Programms sieht die Runde ausgeglichen aus, für Nieten aus Mainz gibt es Nieten aus Köln, für Treffer aus Mainz gibt es Treffer aus Frankfurt. Holzamer kann Bismarck Rosen schicken.

Mäßig nämlich war dessen österliche Shakespeare-Inszenierung, die der doch sonst so vorzügliche Franz Peter Wirth auf den Bildschirm gebracht hatte. Wirth hatte Shakespearesche Doppelbödigkeit ins Spiel bringen, auf Hamletsche Weise mit dem Spiel-im-Spiel jonglieren wollen: „Was ihr wollt“ als gestrigen Vorgang in den Kulissen von heute. Das schon war sonderbar danebengegangen und übrigens auch in Sich selber inkonsequent, da er den illusionären Spielcharakter dann im Verlauf der theatralischen Angelegenheit wieder ganz zudeckte. Aber auch in anderer Hinsicht ging das merkbar unausgeglichen vonstatten, unentschieden zwischen dem Ausspielen rüpelhafter Lustigkeit und Derbheit und poetisch akzentuierter Liebesmelodie hin und her schwankend.

Wolfgang Hildesheimer vom Zweiten hatte mehr Glück mit seiner sehr freien Bearbeitung der Goldonischen „Schwiegerväter“ gehabt. Hier war die Entlüftung vom nur Zeitgemäßen gelungen, die behutsame Modernisierung und Ironisierung der Vorlage ließ die Rokoko-Routinekomik so heiter über die Szene gehen, wie man sie sonst selten sieht. Auch die Führung seiner Schauspieler war dem Regisseur Hans Dieter Schwarze besser gelungen, als das Arrangement der Akteure dem Wirth, wobei jedoch gerechter weise hinzugefügt werden muß, daß Hans Karl Friedrich mehr für die Rolle des Kaufherren van Haarlem mitbringt als der für den Narren falsch angesetzte Paul Verhoeven. lupus