Der in der „Zeit“ Nr. 16 vom 19. 4. 1963 veröffentlichte Beitrag von Max-Josef Frotz, stellvertretender Direktor der August Thyssen-Bank AG, über den Sparer, der Geld mitbringen muß, um Verluste an seinen ersparten Mitteln durch den laufenden Kaufkraftschwund der DM auszugleichen, ist zweifellos sehr aufschlußreich.

Wenn Frotz zu dem Ergebnis kommt, daß man einem Repräsentanten der sogenannten bürgerlichen Schicht mit einem jährlichen Nettoeinkommen von 30 000 DM deshalb empfehlen müsse, bei der Anlage von Ersparnissen bevorzugt an den Kauf von Aktien zu denken, so erhebt sich allerdings die Frage, welchen Rat er den vielen kleinen Sparern geben will, deren Nettoeinkommen weit unter 2500 DM monatlich liegt und für die wegen der Geringfügigkeit der ihnen monatlich möglichen Ersparnisse der Erwerb von Aktien oder auch nur von festverzinslichen Wertpapieren kaum in Betracht kommt.

Bis es der Regierung oder der Bundesbank gelingt, ihre auf die Sicherung eines stabilen Preisniveaus abgestellten Versprechungen zu erfüllen, bleibt diesen Sparern nur die Hoffnung, daß ihnen über eine Erhöhung des Sparzinses für langfristige Konteneinlagen gemäß dem Vorhaben der Sparkassen doch noch ein gewisser Ausgleich für den Kaufkraftverlust von Spareinlagen gewährt wird. Angesichts der Feststellungen des stellvertretenden Direktors der August Thyssen-Bank AG sollte man eigentlich meinen, daß sich auch die Banken nicht länger gegen den Antrag der öffentlichen Sparkassen sträuben können, den Zinssatz für langfristige Spareinlagen auf Sparkonten geringfügig zu verbessern. Eine solche Maßnahme erscheint im Interesse sozialen Ausgleichs dringend geboten. Dipl.-Volkswirt Klaus Winkelmann, Düsseldorf

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Gegen die beiden Artikel „Von den Zinsen soll man leben“ (Nr. 13) und „Der Sparer muß Geld mitbringen“ (Nr. 16) möchte ich folgendes einwenden:

1. Ein Vergleich der Entwicklung des Zinssatzes für Spareinlagen mit der Entwicklung der Lebenshaltungskosten ist nur dann berechtigt, wenn man unterstellt, daß die Sparguthaben (nach ihrer Abhebung) durch die Einleger so verwendet werden, wie es dem Warenkorb, der dem Lebenshaltungskostenindex zugrunde liegt, entspricht. Bei der Vielfalt der Sparmotive dürfte diese Unterstellung nur in Ausnahmefällen berechtigt sein.

Vielmehr sollte man bedenken, daß gerade die mehr kurzfristigen Einlagen dazu dienen, Gebrauchsgüter wie Autos, Haushaltmaschinen usw. zu finanzieren, deren Preisentwicklung in den letzten Jahren überwiegend stabil, teilweise sogar fallend war.