Was brave Snobs allerlei Geschlechts sind, denen hat die grausame Natur jene Talente versagt, die man braucht, um zu einer wie auch immer gearteten Avantgarde zu gehören. Muß sie deshalb den dolcevitalen Busen tiefer tragen? Muß er deshalb den Fichtelbart hängen lassen? Mitnichten! Es gibt eine neue Elite, der beizutreten insbesondere die Mode uns neuerdings aufruft: die Aprèsgarde. Ihr dürfen sich all jene zugehörig fühlen, die eine Sache nicht in verdächtiger Deutschtümelei um ihrer selbst willen tun, sondern des „Danach“ wegen.

Bisher beschränkten sich die Après-Erscheinungen unseres sozialen Lebens auf den Skisport. Damen und Herren in der Morgenröte oder im Zenit ihrer bürgerlichen Existenz erkauften sich mit ein paar Minuten Angst auf den Brettern das Recht auf den Après-Ski, auf die selbstschmeichlerische Wohltat, an der Bar und unter Anwendung modischer und auch zünftiger Redewendungen jene sportlich-elegante Figur zu machen/die auf der Piste zu verwirklichen ihnen versagt bleibt.

Allzu lange blieb diese Möglichkeit auf den Schneesport beschränkt. Andere einer breiteren Öffentlichkeit zugängliche Sportarten blieben hinter der Zeit zurück und mithin im Après schlechthin befangen – bis jetzt das Après-Bad endlich den magischen Kreis sprengte. Zum Après-Bad trägt man nach den neuesten Journalen Schößchen-Jacke mit Trompeten-Hose, ein Trois pièce oder langes Hemd, goldene Badeanzughaut und Wagenradhut. Aus küstennahen Gründen werden, die Farben Weiß, Gold und Marineblau bevorzugt. Von der Badebekleidung unterscheidet sich die Après-Badekleidung dadurch, daß man in ihr nahezu alles, keinesfalls aber baden kann, Ihre besondere Nützlichkeit für Nichtschwimmer liegt auf der Hand: Im Gegensatz zum verräterischen Badeanzug läßt das Après-Bad-Kostüm nicht nur keinerlei Rückschluß auf einen tatsächlich gehabten Kontakt mit dem feuchten Element zu, sondern es setzt, wie jedes Après ein Avant, diesen Kontakt stillschweigend voraus. Wer ließe sich nicht lieber von der Mode denn von Tatsachen überzeugen?

Der umwälzende Einfluß des Après-Bad auf das sportliche und gesellschaftliche Leben ist schwer abzuschätzen. Einmal angestoßen, kann eine Apres-Welle ins Rollen kommen, der wir durch einige Vorschläge, diesmal nur für Damen, vorauseilen möchten:

Zum Apres-Ritt: rotes Bolero, dazu Cowgirl-Höschen aus teakfarbenem Wildleder und goldene Anschlagsporen. Eine Prise „Pomme de Cheval“ auf dem Plastron ermutigt zu Gesprächen über züchterische Probleme.

Zum Apres-Rad: gelbes hautenges Trikot, nylonverstärktes Minimum mit Biese, dazu ein Hauch Eau de Cologne „Lavora“ aus dem Hause Coppi.

Zum Après-Hockey: ein Quatre pièce aus weißem Mull mit Gipsgürtel. Ein Tropfen Äther von Sauerbruch dämpft die kämpferische Atmosphäre.