Film

Mit dem Film „Die endlose Nacht“ hat Will Tremper die meisten, wenn nicht alle bundesdeutschen Filme der letzten Zeit übertroffen. Seine neueste Arbeit (die erste hieß „Flucht nach Berlin“) ist thematisch mit „Menschen im Hotel“ vergleichbar: amüsante Anhäufung von Personen und Schicksalen auf engem Raum in wenigen Stunden.

Hier ist der Schauplatz der Flughafen in Berlin-Tempelhof. Die Maschinen fliegen nicht, wegen Nebels. Der erzwungene Aufenthalt erzeugt oder deckt auf: Komplikationen, Tragödien, Liebesspiele und Intrigen, zumeist in kleinem Format, aber gerafft. Tremper hat, ohne Drehbuch konventioneller Art, in einem filmischen Fresko-Stil gearbeitet. Er hat den Menschen „aufs Maul geschaut“: in den Dialogen mancher Szenen die Frische der Wirklichkeit erreicht.

Zum mindesten ist an dem Film, der nach der Uraufführung (Anfang Mai) noch kritisch zu betrachten sein wird, ein Umstand sehr bemerkenswert: Er hat weniger als 600 000 Mark gekostet, während sich doch die Kosten für einen Film bei uns im Durchschnitt auf etwa 1,3 Millionen belaufen. Man sieht, erfinderischer Geist ist auch in der „Industrie“, die sich Film nennt, noch ein Faktor, und wer sich weigert, in den alten Schablonen zu denken, kann Millionen ersparen helfen, wenn nur ein stichhaltiges Konzept vorliegt, sei es nun in einem Drehbuch festgehalten oder nicht.

Karl Michael Vogler erhält einen Preis für seine Darstellung in den „Bekenntnissen eines möblierten Herrn“. Er gilt auf dem Theater als arrivierter Schauspieler; im Film ist er ein Neuling. Seine Leistung ist, wie die Trempers, von der Jury bezeichnet worden als „bemerkenswert – im deutschen Film“. Damit wird angedeutet, daß es sich um eine Relativierung handelt, gegenüber den fünf anderen Preisen, die nach absoluten Maßstäben ermittelt wurden.

Die übrigen Preisträger sind weithin bekannt; auch in der ZEIT ist über sie berichtet worden. Es sieht so aus, als liege der Entscheidung der Juroren ein kollektiver Gedanke zugrunde, nicht nur die jeweils unabhängige und von Rücksichten freie individuelle Beurteilung einzelner Werke:

Zum mindesten sind – nehmen wir die sizilianische, gallig-bittere Komödie „Scheidung auf italienisch“ aus – diese nach internationalen Maßstäben meßbaren Filme weltanschaulich katalogisierbar – was vielleicht den Verdacht einer kunstfremden Entscheidung nahelegt.