Gesucht werden vier Millionen Mark. Das ist für Bonn eine kleine Summe, wenn man an andere Bittsteller etwa von der grünen oder schwarzen Front denkt, bei denen es um zwei bis zweieinhalb Milliarden Mark geht. Und deshalb wohl hat es auch noch keine öffentliche Diskussion gegeben, obwohl gerade diese Vier-Millionen-Mark-Bitte Beachtung verdient.

Bittsteller ist der Einzelhandel, mit über 90 Milliarden Mark Umsatz jährlich immerhin der drittgrößte Wirtschaftsfaktor in der Bundesrepublik. Er braucht das Geld für „innere Entwicklungshilfe denn sonst, so meint der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels, werden die Kleinbetriebe kaputtgehen und die Konzentration wird immer schneller voranschreiten.

Es geht um die Berufsausbildung. Ausgangspunkt ist die Tatsache, daß über die Hälfte aller Einzelhandelsunternehmer keine kaufmännische Berufsausbildung haben, und daß sich bisher fast ausschließlich die Großbetriebe die neuen Erkenntnisse der Handelsforschung nutzbar machen konnten. Hier ist eine Lücke zu schließen, die von den mittleren und kleineren Unternehmern oft überhaupt nicht oder erst zu spät erkannt wird.

Diese Aufgabe sollen die Betriebswirtschaftlichen Beratungsdienste des Einzelhandels (BBE) lösen. In den letzten Jahren konnten sie jährlich etwa 3000 Betriebe beraten, es wurden Kurse für Einzelhändler veranstaltet und verschiedene Publikationen herausgegeben.

Aber auch hierbei hinken die Kleinbetriebe nach. Für sie muß „Entwicklungshilfe“ geleistet werden. Die Erfahrungen der Betriebsberatung und die Ergebnisse der handelswissenschaftlichen Forschung müssen für die Praxis anwendbar gemacht werden. Dabei müssen kompliziert scheinende Sachverhalte und Zusammenhänge so einfach und anschaulich dargestellt werden, daß sie auch tatsächlich „ankommen“ – eine langfristige, mühevolle und kostspielige Aufgabe.

Der Handel hat in den letzten Jahren jeweils 1,8 Millionen Mark für Gewerbeförderung erhalten. Er wünscht nun eine Erhöhung um 2,2 Millionen Mark – nicht mal ein Prozent der Summe des Grünen Plans –, mit denen er Selbsthilfe durch die Vermittlung von Wissen betreiben will. Dem kleinen Einzelhändler soll nicht etwa vom Staat sein Einkommen aufgebessert werden, wie es andere Branchen heute für selbstverständlich halten. Er soll – wenn er sich darum bemüht – die Chance erhalten, sich in der veränderten Wirtschaftswelt durchzusetzen. Ein Beispiel, das Unterstützung verdient – und Nachahmung. H. M.