Münemann ist mit der zu seiner Gruppe gehörenden Investitions- und Handelsbank wieder ein gutes Stück weitergekommen. Die Bilanzsumme hat sich nochmals, und zwar von 566 auf 730 Mill. DM, erhöht. Das bedeutet eine Expansion von etwa 30 %. Das Kreditvolumen ist noch stärker, nämlich von 492 auf 682 Mill. DM, d. h. um etwa 38 %, gestiegen. Das ist für eine junge Bank zweifellos eine bemerkenswerte Entwicklung. Münemann erklärte dies damit, daß er aus seinem sonstigen Geschäft dem Institut manchen guten Kunden bringen konnte, dieses aber auch andererseits die Kunden zu halten vermochte.

Das Kreditvolumen von 682 Mill. DM übersteigt den Bestand an Einlagen im Betrag von 499 Mill. DM nicht unerheblich. Die Bank mußte größere Beträge, nämlich 73 Mill. DM, alsNostroverpflichtungen aufnehmen. Sie hatte weiterhin am Bilanzstichtag 136 Mill. DM an Wechseln diskontiert. Die ihr zur Verfügung stehenden Mittel wurden also, um den Kreditwünschen der Kundschaft zu entsprechen, weitgehend beansprucht.

Besonderes Interesse verdient die Gewinn- und Verlustrechnung. Man vermag mit sehr guten Gründen die Auffassungen vertreten, daß eine junge Bank während der Anlaufzeit vor allem ihre Reserven stärken und weniger auf die Dividendenhöhe schauen sollte. In der Pressekonferenz wurde betont, daß die bestehenden Möglichkeiten für eine Anreicherung der inneren Reserven aus nichtversteuerten Gewinnen weitgehend genutzt wurden. Tatsächlich werden auch in der Gewinn- und Verlustrechnung 0,7 Mill. DM als Zuweisung zur Sammelwertberichtigung ausgewiesen.

Gegen die Aufführung dieses Postens in der Rechnung ist an sich nichts zu sagen. Als problematisch muß jedoch angesehen werden, wenn die Bank in ihren Verlautbarungen die Sammelwertberichtigungen zu den haftenden eigenen Mitteln zählt. Sammelwertberichtigungen sind keine Rücklagen, sondern Rückstellungen, die bei der Berechnung der Körperschaftsteuer abgesetzt werden können, und die entsprechend auch bei einem Rückgang der Debitoren wieder aufgelöst werden müssen.

Von den Sammelwertberichtigungen abgesehen, enthält die Gewinn- und Verlustrechnung keinerlei Zuweisungen zu den Rücklagen, vielmehr sind offensichtlich die versteuerten Gewinne weitgehend genutzt worden, um wiederum eine Dividende von 10 % auf das Stammkapital zu zahlen. An sich ist dies zweifellos kein schlechtes Ergebnis, nur wäre es besser gewesen, wenn das Institut mehr an die Rücklagen gedacht hätte.

Waldemar Ringleb

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