Die Bilanz 1962 der Kreditanstalt für Wiederaufbau schließt mit 11,4 Mrd. DM ab. Das ist mehr, als die meisten deutschen Großbanken aufzuweisen haben. Gut die Hälfte, nämlich 6,6 Mrd. DM kommt vom Bund und von den Ländern, 1,3 Mrd. DM wurden am Kapitalmarkt aufgenommen. Der Rest fällt im wesentlichen auf eigene Mittel und Treuhandgeschäfte. An Krediten wurden 7,7 Mrd. DM herausgelegt, durchgeleitet wurden 2 Mrd. DM, der Rest ist im wesentlichen Manövriermasse.

Im Geschäftsjahr 1962 wurden für gut 2,5 Mrd. DM Finanzierungen vorgenommen, davon fielen 576 Mill. DM auf das Inlandsgeschäft; es dient vor allem der Förderung der nicht emissionsfähigen Industrie und der Finanzierung von Grundinvestitionen auf dem Gebiet der Reinhaltung von Wasser und Luft.

Das Auslandsgeschäft war weitaus größer. Sein Volumen betrug rund 2 Mrd. DM. Hiervon waren 1,3 Mrd. DM Darlehen im Rahmen der Kapitalhilfe der Bundesrepublik an Entwicklungsländern. Überwiegend waren sie objektgebunden. Diese Darlehen dienen Vorhaben, die von der KfW vorgeprüft sind.

Bei dem Institut bestehen jetzt feste Vorstellungen über die zweckmäßigste Form der Kapitalhilfe. An erster Stelle steht die Verbesserung der Infrastruktur vielfach des Straßenbaues. Weite Teile Afrikas sind verkehrsmäßig noch nicht erschlossen. Hier muß etwas geschehen, bevor man an eigentliche Entwicklungsvorhaben denken kann. Im Zusammenhang mit Bewässerungsanlagen stehen Maßnahmen der Agrarreform. Ein gewerblicher Mittelstand ist vielfach noch nicht vorhanden, sondern muß erst herangebildet werden, eine Aufgabe, die landeseigenen Entwicklungsbanken zufällt. Die KfW arbeitet mit ihnen engstens zusammen. Ein der sozialen Struktur adäquates Steuersystem und ein eigener Kapitalmarkt müssen vielfach erst geschaffen werden.

Den Entwicklungsländern fehlen meist alle monetären Mittel. Der Grundsatz, lediglich den devisenaufwendigen Teil zu finanzieren, läßt sich daher nicht mehr aufrechterhalten. Besonders interessant sind Vorhaben, die sowohl der Wohlstandsbildung in den Entwicklungsländern als auch den Interessen der deutschen Industrie dienen. Modellfall hierfür bilden zwei sehr beachtliche Vorhaben für die Erschließung großer Erzvorkommen in Liberia durch die deutsche eisenschaffende Industrie.

Auf die Exportfinanzierung fielen 1962 637 Mill. DM gegenüber 182 Mill. DM im Jahr zuvor. Ein Drittel der Kredite wurde ausländischen Bestellern gewährt. Dies entsprach einem Wunsch der deutschen Industrie, die aus der langfristigen Kreditgewährung, ein ihr wesensfremdes Geschäft, mehr und mehr entlassen werden möchte. Anfang dieses Jahres bestanden im Auslandsgeschäft Zusagen in Höhe von 4,1 Mrd. DM, davon waren 3,1 Mrd. DM ausgezahlt, so daß ein Überhang von rd. einer Mrd. DM besteht, der noch auf die Kreditanstalt zukommen wird. W. R.