Von Horst Wetterling

Das Fernsehen ist eine wunderbare Erfindung. Wenn wir mit unseren Kindern nichts anzufangen wissen, so brauchen wir nur den Apparat einzuschalten. Sogleich bleiben wir von den unbequemen Fragen und lästigen Einfällen verschont, die mitunter unsere ganze Ratlosigkeit offenbaren. Von den Impressionen die das Fließband optisch-akustischer Reflexe vermittelt, werden die Kinder nun gefangen genommen.

Anders ist es wohl nicht zu verstehen, daß viele Eltern ihren Kindern erlauben, Stunde um Stunde vor dem Bildschirm zu verbringen. Stunde um Stunde ... Das sei übertrieben? Nun:

Bei einer Hamburger Untersuchung zeigte sich, daß 49 Prozent der befragten Schulkinder, denen zu Hause ein Fernsehgerät zugänglich ist, täglich zwei bis drei Stunden und sonnabends mehr als vier Stunden fernsehen. Das bedeutet: Zu der an die Schule gebundenen Zeit von etwa dreißig Stunden kommen bei diesen Kindern noch ungefähr achtzehn Stunden Stillsitzen vor dem Bildschirm hinzu.

Übereinstimmend ergaben gleiche Untersuchungen in Hamburg und Bremerhaven, daß etwa 33 Prozent der Zehn- bis Zwölfjährigen auch in der Zeit nach 20 Uhr. fernsehen dürfen. Das bedeutet: Diesen Jungen und Mädchen werden auch Sendungen zugänglich – von „Stahlnetz“ bis zu „Tim Frazer“, von „Panorama“ bis zu „Bon soir, Catherine“ – deren Thematik und Darstellungsform ihre Kraft noch, gar nicht gewachsen ist.

Schließlich konnte vor einem Jahr in – willkürlich ausgewählten – Kindergärten festgestellt werden, daß Kindern im Alter von vier und fünf Jahren die damaligen Standardfiguren des „Kinder- und Jugendprogramms“ wie das intelligente Pferd „Fury“ und der geniale Hund „Lassie“ wohlvertraut waren. Das bedeutet: In einem Alter, in dem Kinder selbst vor harmlosen Vorgängen des Märchens erschrecken, würden ihnen Abenteuer zugemutet, bei denen eine gefährliche Aktion die andere, ablöst.

Es mag Sendungen geben, deren Inhalt und Machart den Eltern nahelegen, sie für „naiv“ oder ear „süß“ zu halten, für kindertümlich also. Für Kinder im Alter bis zu acht Jahren sind sie das nicht, wie immer sie auch angelegt sein mögen.