BREMEN (Kunsthalle):

„Saarland-Museum“ Das Saarland-Museum in Saarbrücken wurde erst vor zehn Jahren gegründet. Es besitzt heute bereits eine bedeutende Sammlung moderner Kunst, weit über dem Niveau eines Provinzmuseums. Offenbar hat sich hier die besondere politische Situation kulturell ausgezahlt. Im rückgekehrten Grenzland sollte mit beträchtlichen Mitteln ein künstlerisches Zentrum geschaffen werden. Museumsdirektor Rudolf Bornschein hat alle lokalen und provinziellen Gesichtspunkte beiseite gelassen und die wichtigsten Namen aus der französischen und deutschen Kunst der letzten hundert Jahre zusammengebracht. Auf der deutschen Seite reicht die Auswahl ungefähr von Liebermann bis Nay, wobei die meisten Künstler – Maler und auch Bildhauer – mit wirklich überzeugenden Werken vertreten sind. Das gilt für Marc, Beckmann, Feininger, Schlemmer („Blaue Frauen“ von 1929) und für den einzigen gebürtigen Saarländer: Albert Weisgerber, von dem Saarbrücken neun Arbeiten besitzt. Bei den Franzosen findet man Boudin und Courbet, dann die Impressionisten: Degas, Renoir, Monet, Pissarro, Signac, Sisley, unter den neueren Léger und Matisse (Picasso ist nicht dabei). – 190 Werke des Saarland-Museums sind bis zum 3. Juni in der Bremer Kunsthalle ausgestellt. Daß ein Museum ein anderes zu Gast bittet, ist ein bemerkenswertes Novum und erspart norddeutschen Kunstfreunden die Reise nach Saarbrücken. Außerdem ist die Bremer Kunsthalle ähnlich wie Saarbrücken auf deutsche und französische Kunst der Gegenwart angelegt, und diese Verwandtschaft der beiden Museen ergibt für den Besucher interessante Vergleichsmöglichkeiten.

STUTTGART (Württembergischer Kunstverein):

„Dix“

Graphik des frühen Otto Dix, 120 Zeichnungen und Radierungen aus den Jahren 1914 bis 1924. Eines der großen Beispiele engagierter Kunst in unserer Epoche. Dix war 23, ein junger, von van Gogh begeisterter Expressionist, als er 1914 eingezogen wurde. Kein Künstler hat das Inferno des Weltkrieges so unmittelbar, mit allen grauenhaften Details geschildert, und es ist sehr merkwürdig, an dieser Abfolge großenteils Schützengraben entstandener Blätter den Weg von einer fast pathetischen, hymnisch expressiven Auffassung zu einer desillusionierten Sachlichkeit zu verfolgen. Dix liefert den Beweis, wie die Negation des Ästhetischen und die fanatische Wahrheitssuche das Tun des Künstlers intensivieren kann. Die Ausstellung endet bei der 1924 erschienenen Radierfolge „Der Krieg“. Das – problematische – Spätwerk steht nicht zur Diskussion.

HAMBURG (Hochschule für Bildende Künste):

„Wienert“

Eine Gedächtnisausstellung für Karl-Heinz Wienert, der seit 1959 Professor an der Hamburger Hochschule war. Wienert ist nur 39 Jahre alt geworden. Er hat in Darmstadt, München, Stuttgart, Recklinghausen, Baden-Baden (Kunstpreis der Jugend) ausgestellt und war Mitglied im Deutschen Künstlerbund. Eine ausgesprochen lyrische Begabung. Am schönsten sind die kleinen Gouachen, Blätter wie aus einem Tagebuch, Bildeinfälle, Improvisationen über die verschiedensten Themen: eine meisterhafte „Hommage à Paolo Uccello“ (die Kompositionsskizze der braun-violetten Reiterschlacht), ein in wolkigem Grau gemalter „Eisenbahngarten“, eine zartfarbige „Blume für den kranken Gresko“ (den im vorigen Jahr verstorbenen Hamburger Maler). Wienert hat in seinen Gouachen und in den großformatigen dunklen Ölbildern aus seinen letzten Jahren das erreicht, was viele Maler seiner Generation beschäftigt: den Formalismus zu überwinden, die künstlerischen Mittel zu beherrschen, nicht zu verabsolutieren, sie für ein Thema, für die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse einzusetzen. g. s.