In der letzten Wochenend-Ausgabe der „Welt“ erschien ein Artikel, als dessen Verfasser kein Geringerer zeichnete denn Maximilian Schell, Oscar-Preisträger, Hamburger Hamlet-Darsteller und bisher verhinderter Regisseur sowie, manch einer erfuhr das jetzt zum ersten Male, ehemals Redaktor der höchst achtenswerten „Neuen Zürcher Zeitung“.

In diesem bemerkenswert flüssig geschriebenen Artikel führt der illustre Schauspieler bewegte Klage über die „Wespen“. Als Wespen figurieren Journalisten und vor allem Bildreporter, die ungebeten in das Privatleben der „Prominenz“ eindringen.

So weit, so gut. Ich beneide Bildreporter nicht um ihren Beruf.

Was sich die Kollegen von der „Welt“ (verlagstechnisch nicht ohne Bindungen zur Bild-Zeitung) beim Abdruck des Artikels gedacht haben, sei ihre Sache. Wahrscheinlich fühlten sie sich nicht betroffen. Unser aller Solidarität hat schließlich Grenzen.

Mehr interessiert mich eigentlich, was sich Maximilian Schell dabei gedacht hat, wenn er sich beklagt, die Wespen erlaubten es ihm als einem Prominenten nicht, unphotographiert zu Pferd aus seiner Villa auszureiten.

Und woher das Pferd? Und woher die Villa? Und woher die ganze Prominenz? Ist es denn wirklich die jede Professoren-Gelehrsamkeit, jede ärztliche Kunst, jedes schriftstellerische Handwerk, jede Beamten-Loyalität übersteigende Lebensleistung, die diesem jungen Mann zu Ruhm und Villa und Pferd verholfen hat?

Um eine lange, traurige Geschichte kurz zu machen: So sehr wir dafür plädieren, daß die „Intimsphäre“ jedes Menschen respektiert wird, so wenig schätzen wir denjenigen, der den Hund tritt, dem er so vieles verdankt. Wer den Jubel der Massen will, hat kein Recht, die Neugier der Massen zu verachten. Gern flechten wir dem Mimen Kränze; schmückt er sich damit, dann sollte er es vielleicht doch mit Fassung tragen, wenn sich herausstellt, daß Rosen auch Dornen haben.