Von Robert Neumann

Wie ich es dazu brachte; als sehr junger Mensch – ich war damals Student der Medizin – für meine sehr schlechten ersten Gedichte einen ersten Verleger zu finden (Leonhardt hieß der arme Mann): das habe ich in dieser Zeitung in anderem Zusammenhang schon berichtet. Mein Weg führte weitab, bevor ich wieder einen Verleger fand. Dann ging es ja ein wenig aufwärts, und als der Nazi kam, ging es wieder ganz anderswohin – nach England, ins Exil.

In England schrieb ich eine Biographie Sir Bisil Zaharoffs, und die führte alsbald zu einem Prozeß – genug, nichts langweiliger als ein Prozeß, für den, der an ihm nicht beteiligt ist. Dieser Prozeß dauerte drei Jahre, die sinnlos-sorgenvollsten meines Exils, und sackte zusammen an dem Tag, als Zaharoff starb.

Vorher gab es einen Punkt, an dem es darauf ankam, die Behauptung der Verleger, mein Manuskript sei nicht publizierbar, auf die einzige schlüssige Weise zu widerlegen: indem man es publizierte. Aber die Affäre war damals natürlich schon weithin bekannt, kein Verleger traute sich an das Buch heran.

Schließlich bot ich es Stanley Unwin an, der seine überaus großen Erfolge dem Umstand verdankt, daß er nicht nur ein mutiger Mann ist, sondern auch ein sparsamer. Victor Gollancz sagte mir einmal, Unwin sei der reichste Verleger in England: Er publiziere zweihundert Bücher im Jahre, und an vielen von denen verdiene er nicht mehr als fünfzig Pfund Sterling; aber daß er an einem auch nur ein Pfund Sterling verloren hätte, das gab es nicht. Er hatte – das weiß ich wieder von Ben Hübsch von der Viking Press – in der linken Innenseite von Anzug und Überrock eine speziell so zugeschnittene Tasche, daß er Druckfahnen in ihr verwahren und – Zentimeter um Zentimeter – mit der einen Hand zum Lesen hervorziehen konnte, während er auf dem Weg zum Verlag, und wieder vom Verlag nach Hause in der überfüllten Untergrundbahn stehend sich mit der anderen Hand an dem hierfür vorgesehenen Handgriff hielt.

Ihm also offerierte ich mein Manuskript. Er gab es seiner deutschen Lektorin zu lesen, und sie war „begeistert“. Es ging bei dem Prozeß damals schon um Tausende von Pfunde; tausend hätte ich gern dafür gegeben, daß Unwin das Buch druckt. Er setzte mir in einem sehr langen Gespräch beredt an Hand von vielen Zahlen auseinander, daß er mir nicht seinen von mir vermutlich erwarteten Höchstvorschuß von hundert Pfund zahlen könne, sondern nur fünfundsiebzig, nicht einen Penny mehr.

Ich ging darauf ein. Unwin hat dann von diesem Buch eine Menge verkauft.