R. H. S. New York, im April

Als der erste Teil des gefürchteten Untersuchungsberichtes der Securities and Exchange Commission (SEC) in der ersten Aprilwoche publiziert wurde, war man an den New Yorker Börsen über die verhältnismäßig „milde“ Form erleichtert. Von einem Tage zum anderen wuchs der Börsenumsatz am Big Board. Am 8. April erreichte der Umsatz an der New York Stock Exchange allein fast sechs Millionen Aktien – ein Tagesumsatz, der seit vier Monaten nicht mehr erreicht wurde.

Nun hat der 1600 Seiten umfassende, zwölf Pfund schwere erste Untersuchungsbericht der SEC die heikelsten Fragen noch nicht berührt. Aber auch dieser, als „milde“ angesehene Bericht hat bereits „schwerwiegende Mißbräuche“ zu Tage gefördert.

Da ist vor allem die höchst mangelhafte Qualifikation und die gänzliche unzureichende Ausbildung zahlreicher Wertpapierverkäufer. Beispielsweise stellte eine Börsenmaklerfirma einen Staubsaugerverkäufer an und ließ ihn ohne spezielle Ausbildung im Effektengeschäft auf das Publikum los, denn: ein guter Verkäufer ist nun einmal ein guter Verkäufer, gleichgültig, mit welcher Ware er handelt. Der Leiter der Wertpapierhandelsabteilung einer anderen Börsenmaklerfirma hat drei Jahre eine Gewerbe- und Handelsschule besucht, wo er für – das Fleischerhandwerk ausgebildet wurde.

Schlimmer sind freilich die Fälle, in denen Broker-Firmen Personen als Leiter von Wertpapierabteilungen angestellt haben, die wegen Betruges vorbestraft waren. In einem besonders krassen Fall machte eine Maklerfirma einen wegen Grundstückschwindels Vorbestraften zum Leiter einer ihrer Filialen.

Gerade in den letzten Tagen haben nun die Organisationen der New Yorker Börsen beschlossen, bedeutend verschärfte Prüfungen für die Zulassung zum Wertpapierhandel einzuführen.

Einzelne Börsenmaklerfirmen bedienen sich, so stellte die SEC auch fest, bei ihrer Werbung unwahrer und unzutreffender Behauptungen über ihre Marktforschung. So behauptete eine große Maklerfirma, daß sie einen großen Stab von Marktforschungsspezialisten besitze; tatsächlich verfügte sie aber nur über einen Spezialisten, der daneben auch noch im Effektenverkauf tätig war, sich also nur in sehr bescheidenem Umfange der Marktforschung widmen konnte. Anderen Firmen wird vorgeworfen, sie hätten unter ihrem eigenen Namen Marktanalysen über Gesellschaften und deren Gewinnaussichten veröffentlicht, die in Wirklichkeit von den betroffenen Gesellschaften selbst verfaßt worden seien.