Noch kein dreiviertel Jahr ist es her, daß die Genfer Vierzehn-Mächte-Konferenz dem Dschungelkrieg in Laos ein Ende setzte, doch heute hält das labile hinterindische Königreich die Kanzleien in Ost und West schon wieder in Atem. Wirklicher Friede ist auf dem Boden der Vereinbarungen von Genf nie gewachsen, und jetzt ist sogar der prekäre Waffenstillstand zwischen den streitenden Parteien wieder zerbrochen. Allerdings haben sich die Fronten inzwischen verkehrt: Heute bedrängen starke Verbände der kommunistischen Pathet Lao nicht die prowestliche Armee des Königs, sondern ihre Verbündeten von ehedem, die Truppen des neutralistischen Generals Kong Lee.

Damit gerät das Fundament des in Genf entworfenen Troika-Gebäudes ins Wanken: die neutralistische Mitte. Bricht sie zusammen, so stehen die kommunistische Linke und die prowestliche Rechte einander erneut unmittelbar gegenüber. Fangen sie abermals zu kämpfen an, dann ist es unvermeidlich, daß auch die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten sich wieder engagieren. Auf der umstrittenen „Ebene der Tonkrüge“ kann also mehr in Scherben gehen als nur der Traum von der Troika in Vientiane.

Der Kreml, der die laotische Lösung mehr denn einmal als vorbildlich gepriesen hat, mag an einem Wiederaufleben der Krise kein Interesse haben. Aber angesichts seiner ideologischen Auseinandersetzung mit Peking kann es sich Chruschtschow auch nicht leisten, allzu offen als Friedensstifter aufzutreten. Washington muß indessen schon mit Rücksicht auf seine Verpflichtungen gegenüber Thailand und Südvietnam auf der Hut bleiben. Wie bei früheren Laos-Krisen, liegt auch diesmal die beste Hoffnung auf eine Entschärfung des Konflikts in der Meteorologie: die Regenzeit hat begonnen. Aber nach der Regenzeit? Th. S.