Von Uwe Nettelbeck

Im Windschatten der großen, besonders der mediterranen Festivals gibt es im Laufe des Jahres einige manchmal kaum weniger informative, auf bestimmte Länder spezialisierte Veranstaltungen, wie etwa die Woche des asiatischen Films in Frankfurt oder die Nordischen Filmtage in Lübeck, ein klitzekleines und gemütliches Festival.

Hier sah man in den vergangenen Jahren immerhin Filme wie „Der unbekannte Soldat“ oder „Tage des Zorns“, hier wurden allein von Bergman vier wichtige Filme vorgestellt: „Gefängnis“, „Abend der Gaukler“, „Das siebte Siegel“ und der nie wieder in Deutschland gezeigte Klinik-Film „An der Schwelle des Lebens“ aus dem Jahre 1958 (eine wichtige und besonders für die Bundesrepublik notwendige Ergänzung zum hierzulande immer noch etwas schiefen Bergman-Bild; Bergman ist nicht nur „Wie in einem Spiegel“, sondern vor allem „Abend der Gaukler“ und auch „An der Schwelle des Lebens“). Und man sah in Lübeck „Jagten“ und Dreyers „Ordet“.

Nichts dergleichen in diesem Jahr. Der Grund: die Schweden sind ein wenig hochnäsig geworden, sie verkaufen ihre Filme auch ohne Lübeck. Der einzige schwedische Film dieses Jahres, er war eine Schande für ein Land, das Bergman hat und Sjöberg und überdies vorbildliche Produktionsverhältnisse. Torgny Anderbergs „Perlmutter“ spielt zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, doch nichts davon, nur Segeljachten, Landhäuser und bourgeoise Scheinproblematik.

Ebenso . bedeutungslos war der finnische Film „Tag und Nacht“ (ein bißchen Sonnenwende, Sauna und Nacktbaden, alle naselang liegen welche im finnischen Moos), waren die dänischen Familienklamotten „Schön war die Zeit“ und „Die liebe Familie“, verzuckerte Jahrhundertwende und wie komme ich am besten unter die Haube.

Dagegen stach sogar der norwegische Heringsfilm „Der große Fang“ angenehm ab. Zumal wenn man bedenkt, daß Norwegen nur etwas über drei Millionen Einwohner, entsprechend wenige Kinos und kaum Mittel für eine anspruchsvolle eigene Produktion besitzt.

Erfreulich in Lübeck waren zwei dänische Filme. Die unterkühlte Komödie „Harry und sein Kammerdiener“ von Bent Christensen hatte nahezu de-Sica-Format – allerdings fehlte dessen sozialer Scharfblick; es war ein Schauspielerfilm mit einer Reihe entzückender Einfälle, ökonomisch in der Regie, sehr englisch im Humor und eine witzige Variation zum Herr-und-Knecht-Thema.