Selbst wenn das Zweite Deutsche Fernsehen den Olympiasieger Carl Kaufmann für seine Sportredaktion verpflichtet hat, wird sich an der Frage: Sportfernsehen – gibt es das schon? vorläufig kaum etwas ändern. Denn der Sport ist mehr als das, was uns ein einmal anerkannter Mittelstrecken-Sprinter zu kommentieren hat. Der Sport ist auch mehr, als uns das Deutsche Fernsehen bisher weismachen wollte, sieht man einmal von Ausnahmen wie etwa Dickhuts zehn Minuten für junge Turner, Maegerleins Jahresrückblick „Zwischen Sommer und Winter“ oder Hildesuse Gärtners „Kinderskischule im Allgäu“ ab.

Der Sport hat seit mehr als einem halben Jahrhundert das Gesicht unserer Zeit geprägt, hat Kleidung und Lebensweise revolutioniert, hat unser Verhältnis zur Natur völlig verändert, hat sogar den Stil unserer Literatur zu beeinflussen vermocht und ist in die Freizeit eingebrochen – mit einer Vehemenz wie keine Macht vorher. Er trägt daher auch mit Recht den Namen, den ihm Egon Vietta gegeben hat: biologische Revolution. Hat nun das Deutsche Fernsehen, das ja nicht allein ein Schirm der Sport-Show ist, bisher zu diesen Entwicklungen und ihrer Problematik Stellung genommen?

Zwar hat der Sport in den letzten Jahren am Sendeprogramm einen immer größeren Anteil erhalten. Vergleicht man nur die Jahre 1959 und 1960, so ergibt sich eine Zunahme der Sendestunden um 30 Prozent. Was aber wurde gesendet? Vorwiegend Meisterschaften, Wettkämpfe, Wettspiele, also Leistungssport. Im Winter 1960 liefen innerhalb zweier Wochen allein acht Spiele der deutschen Eishockey-Bundesliga über den Bildschirm. Über weitere Sportsendungen führt die Statistik folgendermaßen Buch: Sendezeiten

1960 1959

Fußball 68 57

Leichtathletik 43 32 Reiten 42 24

Skilauf 31 13