München, im April

Julius Kardinal Döpfner verharrte in frostiger Zurückhaltung. Drei Stunden lang redete Franz-Josef Strauß auf ihn ein, dann beendete Münchens Oberhirte die Audienz ohne irgendeinen Hulderweis. Immerhin war der CSU-Chef endlich – am Freitag vergangener Woche – vom Kardinal empfangen worden, nachdem er sich wiederholt vergebens darum bemüht hatte. Eilig veröffentlichte die Parteileitung ein Kommuniqué, dessen Dürftigkeit die Stimmung im Erzbischöflichen Ordinariat widerspiegelte: „In einem ausführlichen, in guter Atmosphäre verlaufenen Gespräch wurden alle Fragen und Probleme gemeinsamen Interesses erörtert.“

Strauß hat solche Verlautbarungen nötig. Schon im Januar wurde er von einem engen Vertrauten des Kardinals, Monsignore Freiberger, in der „Münchener Katholischen Kirchenzeitung“ \angesprochen: „Lege, nicht alsogleich, aber bei gegebener Gelegenheit, den Vorsitz der CSU in andere Hände.“ Weitere Publikationsorgane, die der Kurie nahestehen, folgten mit dem gleichen Ratschlag. Schließlich schrieb sogar das bislang absolut Strauß-treue Straubinger Tagblatt:

„Es wäre an der Zeit, daß an die Spitze der CSU wieder ein Mann tritt, dessen von Eiferertum freier, gesunder Menschenverstand den inneren Frieden in der Partei wiederherzustellen und durch entsprechende Festigkeit zu wahren verspricht...“ Das streng katholische „Echo der Zeit“ forderte angesichts der „mehr als heiklen, ja fast unerträglich gewordenen Situation“ gar die gesamte Parteiführung zum sofortigen Rücktritt auf.

Franz-Josef Strauß allerdings ist anderer Meinung. Zur Zeit reist er durch die oberbayerischen Dörfer, sammelt „Vertrauens erklärungen“ und verschiebt listig die Ebenen: Wohl sei es in der Partei zu „Abnützungserscheinungen“ gekommen, die Schuld liege jedoch daran, daß der Kanzler nicht zurücktreten wolle.

Dennoch wächst die Fronde gegen die Parteiführung. Es hilft auch nichts, daß die CSU-Oligarchie jetzt einen der ihren opferte: Am dritten Juli, dem Tag der Vorstands-Neuwahlen, wird Kissingens Oberbürgermeister Weiß, einer der beiden stellvertretenden Landesvorsitzenden, nicht mehr kandidieren. An seine Stelle gelangt mit Sicherheit Hundhammers junger Mann Ludwig Huber, der Manager des Petra-Kreises.

Und es mehren sich die Attacken von Parteimitgliedern, auch gegen andere Parteiführer: Strauß soll weg, Generalsekretär Zimmermann soll weg, der zweite Stellvertreter, Bayerns Finanzminister Eberhard, soll weg. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in München befaßte sich eingehend mit dem CSU-Chef und präzisierte: