HANNOVER (Studio des Landestheaters):

„Und die Hunde schwiegen“ von Aimé Césaire

Der Autor, 50 Jahre alt, von schwarzer Hautarbe, lächelte glücklich über den Publikumserfolg seiner deutschen Erstaufführung. Césaire lebt in Paris als Parlamentsabgeordneter seiner Heimatinsel Martinique (Mittelamerika). Deren Entdeckung durch Kolumbus (1493) und ihre rigorose Versklavung spiegeln sich in einem der Alpträume im Mittelakt dieser „Tragödie“. Mit ihr will Césaire neuere afrikanische Freiheitskämpfe in lyrischer Sprache symbolisieren. Kraß, als begreiflicher Haßausbruch, wirkt die Darstelung der Kolonialpraxis „weißer“ Herren. Auch der Wankelmut entnervter „Schwarzer“ ist Reportage schandbarer Wirklichkeit. Aber der Autor stellt beiden einen, eingeborenen „Rebellen“ gegenüber, der seine Visionen von „schwarzer“ Freiheit, Kultur und allumfassender Menschlichkeit mit dem persönlichen Martyrium besiegelt. In dieser dichterisch-prophetisch ambitionierten Werkzone schießen Fontänen von Wortlyrik hoch. Ihre intellektuell erhitzten Metaphern muten (mindestens in der Übersetzung von Janheinz Jahn), als moderne Pariser Literatur zweiten Ranges an. Auch szenische Einblendungen afrikanischer Gottheiten gelangten nicht über folkloristischen Bühnenreiz hinaus. Schwer zu sagen, ob die emotional, dramatisierende Inszenierung Günther Fleckensteins mit ihrer anklagenden Tendenz Césaire entstellte oder ob das Theater wohlmeinend „Papier“ überdeckte. Die schauspielerische Emphase (vor allem Günther Strack als Rebell) strandete jedenfalls, je intensiver sie sich gab, in Deklamation, die kalt ließ. Vielleicht hätte man sich auf Rudolf Schulz’ Spielgerüst unkonventioneller, einfühlsamer um sprecherische Instrumentierung des Wortoratoriums bemühen sollen. In diesem Studio-Arrangement konnte Césaire als Dichter nicht überzeugen. Jac