Mit einer Gewehrsalve hat Franco die Hoffnung zunichte gemacht, Spanien befinde sich auf dem Weg zur politischen Liberalisierung. Im Morgengrauen des 20. April wurde der Kommunistenführer Julian Grimau Garcia am Stadtrand von Madrid füsiliert – zwei Tage, nachdem der Prozeß gegen ihn begonnen hatte. Wegen Verbrechen im Bürgerkrieg und wegen Umsturztätigkeit war er zum Tod verurteilt worden. Keine Zeugen sagten in seinem Prozeß aus, die Verteidigung hatte keine Chance zum Kreuzverhör, und die Schuldbeweise waren dürftig.

Chruschtschow hatte in einem Telegramm an Franco um Milde gebeten – ohne Erfolg. In Moskau, Ostberlin und Warschau sprach man von Mord aber auch in den westlichen Ländern häuften sich die Demonstrationen und Proteste. Franco brachte es zuwege, die Kommunisten und die Liberalen des Westens in einer Front zu einigen. Und wenn man auch den Kommunisten, die in ähnlichen Fällen nicht „zimperlicher“ vorgingen, das moralische Recht zu solchen Protesten absprechen muß, die Erschießung Grimaus bleibt dennoch eine Schande – und ein Fehler dazu.

Durch ein Verfahren, das allen rechtsstaatlichen Gepflogenheiten ins Gesicht schlägt, hat Franco, der sich um die Aufnahme seines Landes in die EWG und die NATO bemüht, Spanien aufs neue isoliert. Das harte Urteil muß die düsteren Schatten des Bürgerkrieges wieder heraufbeschwören. Eine Chance zur Aussöhnung im Inneren und nach außen ist vertan worden. R. Z.