Die Geschichte stand im Mitteilungsblatt eines niederländischen Verbandes als Zutphen (Provinz Drente) – einem Blatt, das etwa dem Organ eines deutschen Einzelhandelsverbandes entspricht. Der kleine „Dikje“, so wird erzählt, sitzt vor dem Fernsehgerät und sieht zusammen mit seinem Vater einen englischen Film mit holländischen Untertiteln. Dikje wird unruhig und sagt zu seinem Vater: „Pappa, zet Duitsland maar op, dat kan ik tenminste verstaan ...“ (Papa, stell Deutschland an, das kann ich wenigstens verstehen). Die Geschichte ist illustriert in der Art der Comic-Strip. Aus einem Fernsehgerät kommen Blasen mit Werbesprüchen des deutschen Fernsehers.

Die kleine Geschichte hat einen ernsten Hintergrund. Die holländischen Geschäfte müssen sich mit Waren ausstatten, die im deutschen Werbefernsehen angepriesen werden. Das Publikum verlangt sie. Kürzlich wurde in Oldenzaal eine „marktanalytische“ Untersuchung über die Rundfunk- und Fernsehgewohnheiten der Bevölkerung angestellt. Das Ergebnis war erstaunlich. Nur 7,5 Prozent aller Holländer sehen ausschließlich niederländisches „Television-Programm“, 30 Prozent schalten vornehmlich niederländisches Programm ein und 35 Prozent sehen fast ausschließlich das deutsche Fernsehprogramm. Dazu kommt noch, daß das deutsche Programm im Gegensatz zum niederländischen Fernsehen bis in die späten Abendstunden ausgestrahlt wird.

Der Betriebsleiter eines großen holländischen Einzelhandelsgeschäftes berichtete: Wenn ich einmal im Geschäft ausnahmsweise einen deutschen Kunden nicht verstehe, rufe ich meine Kinder. Durch das Fernsehen lernen sie spielend Deutsch. Und ein Holländer, der Deutschland gut kennt, meinte: „Ihre Goethe-Institute sind gut, aber das Fernsehen hat mehr Erfolg.“ Auf meine Frage, warum die Niederländer ausgerechnet das deutsche Programm so gerne sehen, sagte er: „Wissen Sie, das deutsche Programm ist schlecht, aber das niederländische ist noch schlechter.“

Die großen holländischen Unternehmen machen sich Sorgen um den Absatz inländischer Produkte. Trotz dieser Sorgen aber klingt die marktanalytische Untersuchung sehr versöhnlich aus. „Das deutsche Fernsehen ist dabei, die Staatsgrenzen zu verwischen.“ –ast