BREMEN UND SDR

Freitag, 19. April, das Hörspiel:

Der innere Monolog ist eine bevorzugte Form des literarischen Hörspiels geworden. Als 1922 der „Ulysses“ von Joyce erschien, war der innere Monolog eine terra incognita, auf der sich viele Literaturliebhaber verlaufen konnten. Jetzt braucht nicht einmal mehr dem normalen Radiohörer vorweg erklärt zu werden, wie so etwas zu verstehen ist.

Die Methode solchen Monologs wird leider zuweilen nur darum angewandt, weil sie elegant und modern ist. Die literarische Haute Couture von damals zeigt sich, vervielfältigt jetzt, unter modischen Accessoires im Warenhaus. Soll sie nochmals künstlerische Form gelten, muß sie aber zwingend begründet sein.

Das ist Hans Bachmüller in seinem Vetter Phönix“ gelungen. Die zentrale Figur, der in allem gescheiterte Junggeselle Lorenz, ist ein Mensch, der nur noch grübelnd und phantasierend lebt, der nicht mehr handelt, nur noch handeln will, der nichts erlebt, das Erleben nur erwartet. Für ihn ist der innere Monolog der Maßanzug. Für den Autor darum legales Kunstmittel.

Der Autor hatte Glück mit Regie (Raoul Wolfgang Schnell) und Besetzung. Den Lorenz sprach Hanns Ernst Jäger, den Vetter Richard Münch; Tonmontagen, Brücken zwischen realer und irrealer Szenerie, baute Enno Dugend. R. H.