Unerwartet hat die größte französische Geschäftsbank, die Banque de Paris et des Pays Bas, den Entschluß gefaßt, ihr Kapital von 120 auf 200 Millionen Frs durch Ausgabe von 800 000 Aktien, die mit einem Agio von 50 Frs auf die 100-Frs-Aktie angeboten werden sollen, zu erhöhen. Warum diese massive Beanspruchung des Kapitalmarktes mit ungefähr 120 Millionen Frs bei einer Bilanz, die ungewöhnlich hohe Reserven enthält, und einer Gewinn- und Verlustrechnung, von der bereits bekannt ist, daß sie ausgezeichnete Resultate ausweisen werde? Auf diese Frage gibt es – obwohl sich die Verwaltung in Schweigen hüllt – nur eine Antwort: Die als vorsichtig und klug bekannte Verwaltung der Bank sieht voraus, daß noch in diesem Jahr hohe Ansprüche an sie gestellt werden.

Die Börse fragt sich nun, ob andere Geschäftsbanken dem Beispiel der Banque de Paris et des Pays-Bas, an der die Banque de l’Indochine, Lazard Frères und die Rothschild-Bank mit insgesamt 40 % beteiligt sind, folgen werden? Dei Ausgabekurs der neuen Aktien mit 150 % wird als nicht ungünstig empfunden. Da die Börsenumsätze indessen weiterhin sehr klein sind, werden hohe Anforderungen an den Kapitalmarkt von den Aktionären zur Zeit eher als lästig angesehen. Der Anleger wartet ab, weil er im unklaren gehalten wird, welche Wirtschaftspolitik die Regierung gegen die Inflationsgefahren zu führen beabsichtigt. Mit neuen Steuern zur Bezahlung der aus der Streikbewegung entstandenen Belastungen wird gerechnet. Auf die Einführung einer neuen Börsengewinnsteuer, von der immer wieder die Rede ist, würde die Börse verdrießlich reagieren. Unsicher ist auch, ob die von dem Crédit National angeordneten Kreditrestriktionen angesichts des Zustroms von neuen Devisenbeträgen wirksam sein werden? Wird es der Regierung möglich sein, wie sie behauptet, die Preise unter Druck zu halten, und den unter verschärftem Wettbewerb stehenden Export zu beleben? Diese Fragen erheischen Antwort, bevor sich das Privatkapital entschließt, seine Zurückhaltung aufzugeben. RETLAW