Die Gartenbauausstellung und die Reeperbahn sind auf den Ansturm der Touristen vorbereitet

Nie war der Blick aus den kleinen vergitterten-Fenstern des Hamburger Untersuchungsgefängnisses so schön. In welche Richtung auch immer er schweifen will, die Mühe, den Tisch zu besteigen, lohnt sich. Wohin der gefangene Naturfreund dann blickt, überall grünt und blüht es, ringsum sieht er die Internationale Gartenbau-Ausstellung. Rings um das Untersuchungsgefängnis ist gebaut und umgebaut worden, konstruiert und gepflanzt.

Manches erscheint den Hamburgern wunderbar. Da ist zum Beispiel das Heiligengeistfeld, eine historisch öde Fläche, deren Boden beim Sommerdom schwarzer Matsch, beim Dom im Winter eine harte Buckelfläche ist. Hier saß, der Anekdote nach, jener Verlorene, der für seine Verzweiflung soviel Grund hatte, daß selbst Gott ihm nicht helfen konnte: Der Mann saß auf dem öden Heiligengeistfeld und weinte, weil er aus Altona stammte – und nicht aus Hamburg. Könnte er es jetzt sehen! Dreißig bis vierzig Zentimeter hoch bedeckt feinster Humus jene Wüste, die Jahrhunderte zusammengestampft haben. Und dort, wo niemals auch nur ein Unkrauthalm spießen konnte, stehen Lebensbäume und Rhododendren, Forsythien und viele andere Gewächse, die botanische Namen haben und darum mehr ein Gegenstand des Studiums als flüchtig genießender Betrachtung sind.

Was den botanischen Laien im gegenwärtigen Stadium tröstet, ist, daß die meisten und größten Flächen mit Blumen bedeckt sind, für die kein Verzeichnis nötig ist, mit Stiefmütterchen: gelb, lila, bräunlich, hellblau und gemustert sitzen sie im fetten Mist. Wer Stiefmütterchen gezüchtet hat, muß dem langen Winter dankbar sein. Sicherlich wären sie nicht in solchen Massen abzusetzen gewesen, wäre der Frühling früher gekommen.

Natur zu Vorzugspreisen

Natürlich wird mit jeder Stunde alles Schöner und der sanfte Regen, aus gewitterstickigem Himmel wird vielleicht schon, wenn die Ausstellung am 26. April eröffnet wird, sichtbar machen, was Hamburgs Bürgermeister im Vorwort des Katalogs mitteilt: „In jahrelanger, gemeinsamer Arbeit hat Hamburg mit den Gärtnern Deutschlands und zahlreicher Länder der Welt die Internationale Gartenbau-Ausstellung geschaffen. Mehr als dreißig Völker von allen Erdteilen bekunden auf der IGA 63 mit Gärten, Bäumen, Blumen und Früchten ihren Willen, an einer ständigen Steigerung der Schönheit und der Fruchtbarkeit unserer Erde mitzuwirken.“

Die Früchte der internationalen Mühen sind in sechs Hauptabteilungen gegliedert: Hallengelände (in den Hallen wird immer neu gepflanzt werden, kleine Jahreszeiten im Zeitraffer gewissermaßen), Planten un Blomen (im international übersetzbaren Hochdeutsch „Pflanzen und Blumen“), ein Park, der jetzt Teil des Ausstellungsgebietes ist, Botanischer Garten, Kleine Wallanlagen, Große Wallanlagen und das besagte Heiligengeistfeld. Vom Dammtor bis nach St. Pauli erstreckt sich die Ausstellung, von Planten un Blomen zu – Pflänzchen und Blüten.