Neues von den Universitäten

Wußten Sie schon, daß Tübingen die reinste Universitätsstadt Westdeutschlands ist? Auf jedes Tausend seiner 50 000 Einwohner kommen 170 Studenten. So viele Studiker, im Vergleich zu den Philistern, ’gibt’s sonst nirgendwo. Nach Tübingen folgen, in weitem Abstand: Marburg (139 Studenten auf 1000 Einwohner), die Bergakademie Clausthal (100), die Universitäten Göttingen (99) und Erlangen (93). Das Fazit ist freilich nicht neu: Die kleinen Universitätsstädte beherbergen noch immer die „echtesten“ Universitäten.

Seit wann zählt denn Clausthal zu den Universitäten? Seitdem wir „wissenschaftliche Hochschulen mit Universitätsrang“ einfach, wenn auch ungerecht, definieren können als Hochschulen, die auf der Westdeutschen Rektorenkonferenz vertreten sind. Und das sind eben, neben den 18 „richtigen“ Universitäten und den 8 Technischen Hochschulen: die Landwirtschafts-Hochschule in Stuttgart-Hohenheim, die Wirtschafts-Hochschule in Mannheim, die Tierärztliche Hochschule in Hannover, die Bergakademie in Clausthal und die Medizinische Adakemie in Düsseldorf. Als Nummer 32 sollte die Universität Bochum dazukommen – aber das wird noch eine Weile dauern.

Wüßten Sie schon, daß unter den ausländischen Studenten an deutschen Hochschulen die Griechen (mit 3410) seit fünf Jahren am stärksten vertreten sind und längst die Amerikaner, die ursprünglich am zahlreichsten waren, auf den vierten Platz verwiesen haben (1576 Studenten)? Zwischen Griechen und Amerikanern kommen noch Perser (3179) und Studenten der Vereinigten Arabischen Republik (1804).

Am schnellsten haben sich während der letzten fünfzig Jahre (gemessen an den Studentenzahlen) die Universitäten Hamburg (von null auf 13 463), München (von 8600 auf 21 987) und Köln (von 1800 auf 13 873) entwickelt. Mit seinen rund 22 000 Studenten ist München die mit Abstand größte deutsche Universität. Es gibt auch keine andere, die dichter an Schwabing und an den österreichischen Skigebieten läge.

Von einem wesentlichen Teil der akademischen Freiheit, nämlich der Möglichkeit, seinen Studienort zu wechseln, macht mehr als die Hälfte der deutschen Studenten (61,4 Prozent) keinen Gebrauch.

An den von den Fakultäten nicht sehr hoch angesehenen Staats- und Diplomprüfungen, die nicht von der Universität’ selber abgenommen werden, versuchten sich im letzten Stichjahr (1959/60) 23 346 deutsche Studenten, von denen 3448 durchfielen – jeder sechste wurde also gewogen und zu leicht befunden. Ganz anders bei der universitätseigenen Prüfung, der Promotion: 4957 versuchten es, 4906 kamen durch – das heißt also, nur einer von hundert schaffte es nicht. Dennoch gibt es Professoren, die sich nicht ausreden lassen, die Promotion sei die schwerere, die gewichtigere, die schließlich ehrenvollere Prüfung. Gegen den statistischen Nachweis ihres Irrtums wenden sie ein: die Vorauswahl sei bei den Doktoranden viel strenger. Diese unbeweisbare Behauptung hat einige Wahrscheinlichkeit für sich; aber sie reicht auf gar keinen Fall aus, eine so große Differenz – von hundert Studenten siebzehn ausgeschieden im Staatsexamen, einer in der Doktorprüfung! – einigermaßen befriedigend zu erklären.