Ein Snob ist unverläßlich. Das Werk, das er lobt, kann gut sein. Karl Kraus

Fünfmal zwei Preise

Zum fünfzehntenmal wurden am vergangenen Sonntag die „Berliner Kunstpreise“ vergeben (unterteilt in sechs Sparten und jeweils einen „großen“, mit 10 000 DM dotierten „Berliner Kunstpreis der Jubiläumsstiftung 1848/1948“ und einen „kleinen“ Preis „Junge Generation“, der 5000 DM beträgt). In der Sparte „Bildende und angewandte Kunst“ wurden der Maler und Pädagoge Max Kaus und der Bildhauer Rolf Szymanski ausgezeichnet, in der Sparte „Architektur“ der Berliner Stadtplaner Sergius Rügenberg und der Architekt Bodo Fleischer, in der Sparte „Musik“ Paul Hindemith und der Leiter der Spandauer Kirchenmusikschule Hanns-Martin Schneidt, in der Sparte „Darstellende Kunst“ Fritz Kortner und Klaus Kammer, die Preise für Film und Fernsehen stehen noch aus. Überraschend und erfreulich unkonventionell ist diesmal vor allem die Wahl in der Sparte „Literatur“: Sie ehrte Rolf Hochhuth mit dem Preis der Jungen Generation und vergab den großen Preis, der den Namen Fontanes trägt, an den Lyriker Peter Huchel. Hochhuth hat mit seinem Schauspiel „Der Stellvertreter“ die leidenschaftlichste Theaterkontroverse der Nachkriegszeit hervorgerufen; Huchel lebt – wenn nun auch geächtet – in der DDR: Die unabhängige Dreierjury hat also in beiden Fällen Courage gezeigt. Courage zeigte auch Berlins neuer Kultursenator Adolf Arndt, als er bei der Preisverleihung divor warnte, eigenwillige Sprüche der Juroren um des lieben Friedens willen durch staatliche Parteinahme zu verfälschen.

Hat Lampedusa abgeschrieben?

Italienische Literaturwissenschaftler fanden in der vorigen Woche in der Nationalbibliothek von Palermo ein Buch, das dem Bestseller „Der Leopard“ von Giuseppe Tomasi di Lampedusa. in vielen Einzelheiten ähnelt. Es heißt „Siebeneinhalb“ und wurde von Giuseppe Maggiore, einem Professor für Strafrecht aus Palermo und Freund Lampedusas geschrieben. „Siebeneinhalb“ ersciien acht Jahre vor dem „Leopard“, blieb aber so gut wie unbekannt. Inhalt und Charaktere stimmen fast genau mit denen des Leoparden überein. Die Verleger von Maggiore haben eine Neuauflage (10 000 Exemplare) angekündigt: Die vergleichende Kritik darf die Federn spitzen.

Poetikprofessor Heissenbüttel

Helmut Heissenbüttel, der Lyriker, Textbuchschreiber und Leiter der Redaktion Radio-Essay am Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart, wird im Sommer die Dozentur für Poetik in der Frankfurter Universität übernehmen. Nach Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz und Karl Krolow ist Heissenbüttel der vierte Autor, der Seminare über die Grundbegriffe der Poetik im 20. Jahrhundert hält.