A. St., Hannover

In dem schon seit langem nicht mehr so fest gefügten Balkenwerk, das die Deutsche Friedensunion stützt, beginnt es zu knistern. Im Landesverband Niedersachsen hat es sogar schon vernehmlich gekracht. Der bisherige Landesvorsitzende, Erhard Bednarski, hat seiner Partei den Krieg erklärt. Er empfahl nämlich den fast 47 000 Wählern Niedersachsens, die bei den Bundestagswahlen der DFU ihre Stimmen gegeben hatten, sich am 19. Mai der Stimme zu enthalten. Die niedersächsische DFU sei aufgelöst.

Merkwürdig genug: Seinen Schritt begründete der „Abtrünnige“ mit der ihm langsam unheimlich werdenden Abhängigkeit von ostzonalen Geldquellen. Vor Pressevertretern ließ sich Bednarski auch dazu hinreißen, einige Interna aus der Wahlkampffondspraxis seiner Partei preiszugeben. Nur etwa drei Prozent der Gelder für den Wahlkampf zur niedersächsischen Landtagswahl hätte die DFU aus eigenen Mitteln decken können. Die DFU Niedersachsen brauchte sich freilich keine finanziellen Sorgen zu machen, denn die Landesleitung in Köln (die von den niedersächsischen DFU-Beiträgen keinen Pfennig bekam) war offenbar finanziell gut ausgerüstet. Der Bundesvorsitzende Graf von Westphalen – so berichtete Bednarski weiter – sei hin und wieder in der Hannoverschen Landesgeschäftsstelle erschienen, um dort dicke Banknotenbündel auf den Tisch zu legen. Eine Quittung dafür verlangte er nicht, vielmehr soll das Bundesdirektorium sehr ungehalten darüber gewesen sein, daß die braven DFU-Niedersachsen die Geldeingänge sorgfältig in einem Kassenbuch registrierten. Der Graf, so fügte Bednarski hinzu, sei bei seinen geheimnisvollen Geld-Transaktionen stets aus Berlin gekommen und vom Flugplatz direkt ins Landesbüro der DFU gefahren. Und die Gelder kamen nicht etwa sporadisch, sondern in schöner Regelmäßigkeit. Bednarski aber fragte sich, woher wohl die Millionen kamen.

Die bemerkenswerte Offenheit des DFU-Politikers hat natürlich eine Vorgeschichte. Das Bundesdirektorium der Partei, offenbar der Überzeugung, daß Bednarski und mit ihm eine Reihe anderer DFU-Politiker die Richtlinien der Partei mißachteten, setzte den Landesvorsitzenden kurzerhand außer Gefecht – nicht jedoch wegen „parteischädigenden Verhaltens“, sondern weil er an dunklen finanziellen Transaktionen beteiligt gewesen sei. „Massive Unregelmäßigkeiten“ und „raffinierte finanzielle Machenschaften“ lauteten die Vorwürfe in dem „Entlassungsschreiben“. Welcher Trumpf nun höher sticht – Bednarskis Enthüllungen oder das Verdikt der DFU-Führung – wird das Gericht entscheiden. Bednarski und der ebenfalls in Ungnade gefallene Landesschatzmeister Hubert Kuzerra haben bei der Staatsanwaltschaft Hannover Strafantrag wegen Verleumdung und übler Nachrede gestellt.

Unterdessen haben linientreue DFU-Funktionäre aus Köln das Landeshauptquartier in Hannover bezogen.