Die Cassella Farbwerke Mainkur AG, Frankfurt (Main), beurteilen die eigene Situation von jeher mit einiger Zurückhaltung. Das entspricht guter kaufmännischer Tradition. In ihrem Geschäftsbericht 1962 klingt wieder Pessimismus an. Sicher, dem Unternehmen geht es weiterhin gut. Es konnte seine Umsätze nochmals um 5 % erhöhen und damit das Rekordergebnis von 1960 übertreffen. Die Erträge sind ebenfalls ausgezeichnet. Sie ermöglichen die Zahlung einer Dividende von 18 %. Zuweisungen zur Rücklage erfolgen allerdings 1962 nicht. Ob sich die tatsächliche Ertragslage wesentlich verändert hat, ist nur schwer von außen her zu bestimmen. Die Steuerzahlungen geben keinen Fingerzeig. Erhebliche Nachzahlungen – sie kommen nicht unerwartet – wurden im Geschäftsjahr 1962 notwendig. Hierfür wurden Rückstellungen aufgelöst.

Die Bilanz macht auch diesmal wieder einen gediegenen Eindruck. Das Anlagevermögen einschließlich Beteiligungen hat sich von 59 auf 61,5 Mill. erhöht. Es wird von eigenen Mitteln im Betrage von 58 Mill. nahezu gedeckt. Die verbleibende Differenz und die Warenvorräte sind langfristig finanziert. Die Liquidität des Unternehmens ist gut. Die flüssigen Mittel betragen 5,5 Mill., die Bankenschulden dagegen nur eine Million. Die Cassella Farbwerke sind also im Kern gesund. Die Finanzen bereiten auch keine Sorgen; diese gelten vielmehr der Flaute in der Textilkonjunktur, in die das Farbengeschäft – es betrifft etwa zwei Drittel des Gesamtumsatzes – geraten ist. Der Umsatzzuwachs im deutschen Geschäft erfolgte ausschließlich bei Kunstharzen und Zwischenprodukten. Kunstharze konnten ihren Wertumsatz um etwa 9 % verbessern, bei Zwischenprodukten und Chemikalien war die Entwicklung ähnlich.

Teerfarbstoffe werden in verstärktem Maße aus dem Ausland in die Bundesrepublik eingeführt. Dem vermag Cassella in preislicher Hinsicht nicht genügendes entgegenzusetzen; die Preiskostenschere schließt sich nicht. Natürlich wird man in Mainkur versuchen, einer solchen Entwicklung mit Rationalisierungsmaßnahmen entgegenzuwirken. Die Möglichkeiten dafür sind allerdings weitgehend ausgeschöpft. Entwicklung und Forschung bleiben nach wie vor von entscheidender Bedeutung. Das Geld hierfür muß aber erst verdient werden, zumal es manchmal recht lange dauert, bis die Forschung zu wirtschaftlich verwertbaren Ergebnissen kommt.

W. R.