Das Ausmaß von Verstand, mit dem die Welt regiert wird, ist seit Oxenstierna nicht größer geworden, das Ausmaß, das nötig ist, dagegen sehr!“ räsonierte ein Berner Soziologie-Professor.

„Die romantisierende Brille, durch die so viele einflußreiche Autoren von heute die Vergangenheit rosig und die Gegenwart schwarz sehen, versperrt uns eine realistische Sicht des Ausmaßes und der Gründe der Wandlungen, die sich tatsächlich vollzogen haben“ – und weiter:

„So besteht nach Martin Heidegger die Dürftigkeit unserer Zeit in einem doppelten Mangel: ‚im Nichtmehr der entflohenen Götter und im Nochnicht des Kommenden‘. – Als ob wir nicht mitten im Kommenden stünden!“

„Zur Entartung einer realistischen Perspektive ist es nötig, uns klarzumachen, daß wir uns nicht nur am Beginn einer neuen Kulturphase, sondern überhaupt noch in der Jugend des Menschengeschlechtes befinden.“

In dieser Zeit „sind wir, mehr denn je, zur Selbsterhaltung auf die Vernunft angewiesen; und die Vernunft ist auf den einzelnen angewiesen“.

Eine Berufung auf schicksalhafte Mächte ist uns nicht erlaubt. „Schicksal ist vielmehr das, was der Mensch dazu macht – sei es durch bewußtes Handeln oder durch verständnislose Resignation.“

Diese Zitate entstammen dem Buch Richard F.Behrendt: „Der Mensch im Licht der Soziologie“; W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart; 176 S., 4,80 DM.