Die Allgemeine Deutsche Philips Industrie GmbH (Alldephi), Hamburg, ist die westdeutsche Muttergesellschaft aller in der Bundesrepublik arbeitenden Philips-Unternehmen. Ihre Bilanz, die freiwillig publiziert wird, mit den Zahlenwerken der großen deutschen Elektrokonzerne zu vergleichen, ist deshalb nur teilweise lohnend, weil es sich bei der Alldephi nur um ein Glied der großen internationalen Philips (mit Sitz in Holland) handelt, die Alldephi daher weitgehend in ihrer Geschäfts- und Finanzpolitik von Holland aus beeinflußt.

Dennoch hat der Geschäftsbericht der Alldephi, insbesondere die Bemerkungen über die Marktentwicklung in der Bundesrepublik, eine wertvolle Aussagekraft von allgemeinem Interesse. Es überrascht auch keineswegs, daß die Philips-Prognose für das laufende Geschäftsjahr nur in Nuancen von den Zukunftserwartungen der deutschen Elektrokonzerne abweicht. Danach wird sich der Wettbewerb auf den Märkten der Elektroindustrie 1963 weiter verschärfen. Da diese Entwicklung mit einer. Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Konjunktur zusammentrifft, muß nach Ansicht der Alldephi-Verwaltung mit entsprechenden Rückwirkungen auf die Absatz- und Ertragslage gerechnet werden.

Im Geschäftsbericht für 1962 werden Andeutungen darüber gemacht, wie man dieser Situation gerecht zu werden hofft. In der Hauptsache natürlich durch die Anpassung der Vertriebsprogramme an die differenzierten Marktverhältnisse, die bereits im Berichtsjahr dazu geführt haben, daß die Kapazitäten nicht mehr überall voll ausgelastet werden konnten. Sätze wie „die Industrie konnte ihre Lagerbestände im Fernsehgerätegeschäft auf ein normales Maß senken“ oder „auch bei den Rundfunkgeräten normalisierten sich die Lagerbestände der Industrie“, deuten darauf hin, wo unter anderem der Schuh gedrückt hat.

Dem härteren Wettbewerb will Philips außerdem durch Maßnahmen zur technischen und organisatorischen Rationalisierung begegnen. Hier wird es darauf ankommen, die Personalkostenentwicklung wieder „in den Griff“ zu bekommen. Die Elektroindustrie arbeitet mit einem relativ hohen. Personalkostenanteil, was sich in Zeiten chronischen Arbeitskräftemangels naturgemäß besonders ungünstig auswirken muß. Deshalb ist es bedeutsam, wenn 1962 die Zahl der Belegschaftsmitglieder um 1,3 % auf 147 000 verringert werden konnte bei gleichzeitiger Zunahme des Umsatzes um 6,8 (7,9) %. Dennoch hat sich der Posten „Personalkosten“ um 10,4% erhöht. Die Tariferhöhungen der Löhne und Gehälter betrugen einschließlich des Lohnausgleichs für Arbeitszeitverkürzung und Urlaubsverlängerung etwa 11 %!

Wenn die Alldephi trotz dieser Entwicklung zum Schluß zu der Feststellung kommt, daß auch 1963 in den meisten Geschäftsbereichen die expansiven Faktoren überwiegen werden, so ist dies nicht weiter verwunderlich, denn die Nachfrage nach Elektroartikeln wird mit wachsender Konsumkraft mit Sicherheit steigen, und je mehr ein Elektrounternehmen in der Konsumgütererzeugung steht, um so sicherer kann es mit neuen Zuwachsraten rechnen. Aber der Markt ist eben hart umkämpft und der Ertragsnutzen infolgedessen einem steten Druck ausgesetzt.

Und auf die Dauer kann sich kein Unternehmen mit steigenden Umsätzen zufrieden geben, die sich nicht auch in wachsenden Gewinnen niederschlagen. Und hier befindet sich Philips – ebenso wie die anderen großen deutschen Elektrounternehmen – in einer wenig befriedigenden Lage. Vieles deutet darauf hin, daß bei Alldephi im Geschäftsjahr der Gewinn nicht gerade rückläufig war, so doch sicherlich stagniert hat. In der Bilanz wird ein Reingewinn von 54,5 (59,3) Mill. ausgewiesen. Er ist jedoch aufzustocken um die vorzeitig abgelöste Vermögensabgabe von 5,2 Mill., so daß der tatsächlich erkennbar gemachte Reingewinn bei 59,7 Mill. liegt, das wären 0,4 Mill. mehr als 1961. Wenn man jedoch den Steuerposten um die Vermögensabgabe bereinigt – er stellt sich dann auf 54,1 Mill. DM nach 56,8 Mill. im Jahre 1961 –, dann wird man bezweifeln müssen, daß tatsächlich ein echter Ertragszuwachs vorgelegen hat.

Was soll nun mit dem Gewinn werden? Zum fünften Male erhält die holländische Muttergesellschaft daraus eine Dividende von 14 %; der Rest von 26,5 (31,1) Mill. wird den Rücklagen zugeführt, die danach 68,2 Mill. ausmachen – bei einem Grundkapital von 200 Mill. DM.

K. W.