Ein ungewisses Lächeln produzierten Franz-Josef Strauß und Karl Theodor zu Guttenberg am vergangenen Wochenende – ausschließlich für die Photographen. Die beiden Gegenspieler waren auf einer Bezirksversammlung der oberpfälzischen CSU aufeinandergetroffen und sofort in eine heftige Debatte geraten, die sechs Stunden lang andauerte. Während sich Strauß ständig auf den „Wählerwillen“ berief, der eine Zusammenarbeit mit der SPD nicht wünsche, erklärte Guttenberg, er sehe keinerlei Anlaß, auch nur ein Wort seiner früheren Äußerungen zurückzunehmen. Frische Munition für die Auseinandersetzungen zwischen den beiden lieferte die Meldung aus der ZEIT (Nr. 17 vom 26. April), Strauß habe, um seinen Ministersessel zu retten, im Herbst heimlich – und erfolglos – Kontakte mit den Sozialdemokraten herzustellen versucht. Der CSU-Chef nannte sich eine „gejagte Figur“, gedachte aber auch eindringlich der eigenen Meriten: „Wer für die Partei arbeitet, wer in sechs Jahren aus einem Häuflein von Uniformträgern die modernste Armee Europas und die zweitstärkste der NATO machte, der muß auch einen Anspruch darauf haben, daß er von seiner Partei gedeckt wird.“ Um ein Uhr morgens stellten sich die zwei Antipoden für die Photographen in Positur, und anschließend verlautbarte Guttenberg kalt, „die eigentliche Diskussion der Krise“ werde erst im Mai stattfinden.