Ex-Diktator Perón und die „Deutsche Soldatenzeitung“

Solange sie regieren, haben Diktatoren eines gemeinsam: die Empfindlichkeit gegen Kritik ihrer ins Exil getriebenen Opposition. Gegner, die ins Ausland hatten flüchten müssen, um ihr Leben zu retten, waren selbstverständlich Verbrecher und Landesverräter. So hielt es Hitler, so Mussolini, so ist es bei Castro; an diesen Grundsatz hielt sich auch Perón, bevor ihm die Flucht ins sichere Ausland gelang. Gesinnungsverwandte lateinamerikanische Diktatoren gewährten ihm Asyl, bis einige von ihnen selber den Wanderstab in die Hand nehmen mußten, um von den Zinsen ihres zusammengestohlenen Vermögens außerhalb der Reichweite ihrer Nachfolger komfortabel zu leben.

Geflüchtete Diktatoren können sich das Vergnügen leisten, ihrem Zorn über das erzwungene Ende ihrer Karriere in Erklärungen und Interviews freien Lauf zu lassen, die dann sogar in ihrem ehemaligen Vaterland durch die Zeitungen auszugsweise bekannt gegeben werden. Und sie können also weiter politischen Einfluß ausüben.

Den Einfluß von Juan Domingo Perón auf die Entwicklung der Dinge in Argentinien soll man nicht unterschätzen. Um seine Partei und die von ihm ernannten Statthalter dreht sich seit dem Putsch vom September vergangenen Jahres, in dem die scharf antiperonistischen Generäle von Militärs der weichen Linie verdrängt wurden, die gesamte Politik. Es gibt Leute, die von einer Rückkehr Peróns träumen, andere, die sie befürchten, Weder die einen noch die anderen werden ihn wieder in Argentinien erleben.

Im Luxus lebt sich’s gut

Denn auch das soll man nicht vergessen: Zweidrittel aller Argentinier sind Peróngegner, wie dies die Wahlen vom 18. März 1962 bewiesen haben. Die Gefahr seiner Rückkehr ist zudem gering, weil er selber nicht im Traume daran denkt, sein sorgenloses Luxusleben und sein Spiel als Fernlenker aufzugeben. Die Gefahr droht ausschließlich von seiner aus sehr heterogenen Gruppen zusammengesetzten Partei: es sind Geschäftemacher und naive Mythosgläubige, meist aber krisenbetroffene Unzufriedene.

Es scheint, daß Franco Perón ohne sonderliche Begeisterung Asyl gewährt hat. Er hat es unter der Bedingung, daß er sich jeder politischen Betätigung enthalte. Diese Vorschrift hat der Flüchtling hundertmal durchbrochen. Er ist auf argentinische Proteste hin verschiedentlich, freilich offenbar sehr sanft verwarnt oder väterlich ermahnt worden. Was ihn nicht hindert, dauernd Emissäre und Funktionäre seiner Partei zu empfangen, die seinen Namen nicht mehr tragen darf, ihnen Anweisungen zu erteilen, Richtlinien aufzustellen und vom sicheren Port aus eine Rolle zu spielen, die ihm, der von der argentinischen Justiz unter anderem wegen Verführung Minderjähriger, Kirchenverbrennung und korrupter Geschäfte gesucht wird, nicht zusteht.