„Venusberg“(Bundesrepublik; Verleih: Nora): Ein Skandälchen ging der Uraufführung voraus. Der neue Rolf Thiele war den bundesdeutschen Kinogängern als Osterei zugedacht, aber die FSK weigerte sich keusch und forderte Dialogschnitte. Auf ein bißchen mehr oder weniger kam es aber Thiele nicht an, und so konnte man nun in Augenschein nehmen, was er sich über „Psyche und Physis“ der Frau alles zusammenreimt. Offenherzig? Weit gefehlt – verklemmt geht es zu und öde-schlüpfrig. Wolf Wirth, einer unserer besten Kameraleute, lieferte dem Frauenforscher Thiele den durchaus adäquaten Bilderbogen: ausgetüftelte Fahrten durchs modisch-niedliche Neureich-Dekor und unentwegt schummrigen Kitsch. Sonst quält sich seine Kamera um die sieben Damen-Importe, die sich in diesem Lichtspiel spreizen dürfen: Mal von hinten, mal von vorn sieht man sie, von allen Seiten, schräg von unten, schräg von oben, gammelnd, tanzend, im Nachtgewande und natürlich im Badezimmer, in der Wanne, neben der Wanne, zwischen allerlei Spiegelchen, mal sieht man zwei in einer Wanne, mal alle im Swimmingpool. Handlung gleich Null: das Gefasele der sieben noch nicht einmal Hübschen dreht sich um den Thiele-Mann; klingelt das Telephon (und weiß Gott, es klingelt oft) oder scheppert die Türglocke, gleich huschen sie erwartungsvoll zusammen. Sonst räkeln sie sich und verbreiten Tiefsinn oder was Thiele dafür hält, nehmen Hühner aus oder wienern den Venusberg, ein oberbayrisches Luxushäuschen. Das Bild – man merkt es bald – eines sexuellen Kraftmeiers, der obendrein noch heiratslustig ist, schwebt den Weibchen vor; daß es ihn nicht gibt, daher der ganze Kummer der „modernen Frau“, meint wohl Thiele. Rolf Thiele – Lieferant inzwischen für das, was er und sein kleinbürgerliches Publikum für „erotische Filme“ halten mögen – hat sich mit seinem neuesten Produkt nur noch täppisch-undelikat exhibitioniert. uwe