Es ist kein Roman, der in Frankreich das meistverkaufte Buch des letzten Jahres war. Der Buchautor, der im Jahre 1962 die höchsten Schriftstellerhonorare einheimste, die in Frankreich bezahlt wurden, bekam sie nicht für das, was er geschrieben hatte. Die eigentlichen Autoren seines Erfolges waren unfreiwillige Autoren. Und seit Generationen ist in Frankreich nicht so viel über ein Buch gelacht worden wie über dieses da, das eine Auflage von fast 700 000 Exemplaren erreicht hat – und das noch immer weitergedruckt wird.

Es heißt „La Foire aux Cancres“, wörtlich übersetzt „Der Jahrmarkt der Sitzenbleiber“; und es ist nichts anderes als eine Sammlung von Stilblüten aus den Schulen des Landes.

Der „Autor“, Jean-Charles, war früher selber einmal Lehrer und notierte gewissenhaft, was ihm da aus den Federn seiner Buben und Mädchen entgegenfloß. Die ersten Käufer des Buches waren die Lehrer. Die zeigten es den Schülern, als abschreckendes Beispiel. Die Schüler aber kauften es für ihre Eltern, gewissermaßen, um denen zu zeigen: „Seht – es gibt noch viel schlechtere Schüler als uns...!“

Viele dieser Perlen sind unübersetzbar. Andere behalten ihre Würze auch dann, wenn man sie in deutscher Sprache wiedergibt. Hier sind ein paar davon:

Die Kreuzfahrer waren bei ihrer Rückkehr sehr glücklich, ihr getreues Eheweib und zahlreiche neue Kinder vorzufinden.

Man nannte Elisabeth von England die jungfräuliche Königin, aber sie erlangte vor allem als Königin Bedeutung.

1768 kaufte Frankreich die Insel Korsika, um sicher zu sein, daß Napoleon, der dort drei Jahre später geboren wurde, Franzose sei.