RUNDFUNK NORDDEUTSCHER

Heute wisse man im Gegensatz zu früher im voraus, wer wen lobe und wer wen tadele, meinte Friedrich Vohland, der Autor dieses wie von einem einzigen Sprecher ermüdend heruntergelesenen Nachtprogramms (zwei waren es – erfuhr man durch die Absage). Das war im wesentlichen alles, was er zur Gegenwart zu sagen hatte. Außerdem hörten Literaturfehden bei ihm mit Fontane auf. Über Karl Kraus schwieg er sich aus, als hieße er Willy Haas.

Begonnen hatten Literaturfehden für Vohland offensichtlich erst mit ihrem Höhepunkt, mit Lessing. Gottscheds Streit mit den Schweizern Bodmer und Breitinger erwähnte er nur am Rande, nun gut. Bedauerlich aber, daß er den ohnedies zu wenig beachteten Aufklärungssatiriker Christian Wernicke überging, der vermutlich als erster eine regelmäßige literarische Kritik nach dem französischen Vorbild in Deutschland forderte und eine heftige Literaturfehde gegen schwülstige Barockdichter zu bestehen hatte.

Im übrigen aber handelte der Autor fleißig die bekannten Literaturfehden ab: bei Lessing, Wieland, Herder, Goethe, Schiller, Lichtenberg, den Romantikern, dem jungen Deutschland bis zu Fontane und Nietzsche, in dem er den zweiten Höhepunkt der Kritik nach Lessing sah.

Selbst und gerade in einer Sendung über Literaturpolemik hätte es der Autor unterlassen sollen, Heine „ätzende Kritik“ und „intellektuellen Hochmut“ vorzuwerfen. Das weckt nur zu bekannte Assoziationen, die er sicherlich auch besser schlummern lassen, möchte. O. K.