Ist es ein peinlich anmutendes Wagnis, sich selbst in einem Versuch von damals zu spiegeln, der es auf Kommunikation und geheime Solidarität unter den Bedrängten und Bedrohten abgesehen hatte – kurz vor dem heraufziehenden Massenmord? Im Wagnis, von solch winzigem Versuch heute persönlich zu sprechen, steckt das gräßliche Unbehagen an der Disproportion zwischen dem Aufbegehren in Ohnmacht und dem Wüten der Macht, zwischen der Belanglosigkeit des kleinen Ich und den unbeschreibbaren Leiden der Geknechteten.

Ernst Jünger sagte einmal, daß der, welcher sich selbst kommentiere, unter sein Niveau gehe. Und eben dies sollte hier stattfinden?

Die beiden Artikel erregten damals ein auf der einen Seite tröstendes, auf der anderen Seite wütendes Aufsehen. Dazu kam der taktisch falsche Beifall aus damals noch sicheren Gehegen – gut gemeint und doch bedrohlich: aus England und aus Frankreich vor allem, das sich noch hinter der Maginot-Linie duckte und abwartete, was wohl mit ihm geschehen würde.

Situationen also in großer Zahl: Sie heute alle miteinander zu bedenken, bereitet im Aufatmen Vergnügen allenfalls denen, die das alles nicht miterlebt haben, weil niemals vorher in der Geschichte ein Anstreicher es fertiggebracht hatte, das, was er unter „Kunst“ verstanden wissen wollte, zum ablenkenden Vorwand auf eine mörderische Politik hin zu machen.

Nun aber kommt etwas Braun-Verzwicktes hinzu: daß nämlich „der Führer“ selbst an seine von ihm propagierte „Kunst“ glaubte und sie tierisch ernstnahm.

Wo man heute frühmorgens den Milchmann nicht mit dem Kerl von einer braunen oder roten Geheimen Staatspolizei zu verwechseln braucht, hat sich manches geändert. Und es ist doch virulent.

Sie erregten also Aufsehen, die beiden Artikel – wie jedes Wort „Aufsehen“ erregte, das für die immer aussichtsloser werdende Freiheit zu plädieren versuchte.