r. g., Stuttgart

Die Schlußfolgerung ist zwingend: Dr. phil. nat. Max Otto Bense, Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie an der Technischen Hochschule in Stuttgart, hat in den letzten zwei Jahren an wissenschaftlichem Niveau erheblich gewonnen. Seine außerordentliche Professur ist dieser Tage in ein persönliches Ordinariat umgewandelt worden.

Den Antrag, die Professur umzuwandeln, hatte der Große Senat der Stuttgarter Technischen Hochschule allerdings schon 1960 beim Kultusministerium gestellt. Damals war der Antrag abgelehnt worden. Und damals hatte der Hochschulreferent des Kultusministeriums, Ministerialdirigent Dr. Autenrieth laut dpa erklärt: „...es gebe Lehrstühle, unter ihnen einen an der Technischen Hochschule Stuttgart, mit starkem Gefälle nach Osten‘. Ministerialdirigent Dr. Autenrieth brachte auch die Entschlossenheit des Kultusministeriums zum Ausdruck, nicht alle Berufungsvorschläge der Hochschulen zu akzeptieren. So sei ein Antrag der Technischen Hochschule, einen Extraordinarius zum persönlichen Ordinarius zu ernennen, abgelehnt worden, weil der betreffende Wissenschaftler wegen seiner religionsfeindlichen Schriften bekannt sei...“

So entstand der „Fall Bense“, der mit Leidenschaft ausgefochten wurde, vor allem im Landtag und in der Technischen Hochschule. In einem Podiumsgespräch der Studentenschaft scharf attackiert, meinte Dr. Autenrieth nun, die „wissenschaftliche Niveaulosigkeit“ Benses sei die Ursache gewesen, daß man von seiner Ernennung zum persönlichen Ordinarius abgesehen habe. Ministerpräsident Kiesinger vertrat später vor dem Landtag die Ansicht, daß er als christlicher Politiker verpflichtet sei, „einem Wissenschaftler, der mit tödlich beleidigenden und verleumderischen Angriffen gegen das Christentum die Gebote der Toleranz verletze, auf die Finger zu klopfen“. Daraufhin setzten sich Landtagsabgeordnete dafür ein, einen neuen Lehrstuhl für Philosophie und Pädagogik zu schaffen – sozusagen eine Art christliches Gegengewicht zu der atheistischen Verkündung Benses. So geschah’s denn auch; auf den neuen, ordentlichen Lehrstuhl wurde der Privatdozent Dr. Spaemann von der Universität Münster berufen.

Jetzt ist die Studentenschaft durch die Einrichtung eines zweiten Lehrstuhls für Philosophie überrascht worden. Professor Bense, ein „in seiner fachlichen Qualifikation stark umstrittener Vertreter des Nihilismus und aggressiver Atheist“ (laut Äußerung Autenrieths in dem damaligen Forumsgespräch), empfing am 24. April die von Ministerpräsident Kiesinger unterzeichnete Ernennungsurkunde.

Offenbar hat es seine Zeit gebraucht, bis sich herausgestellt hat, daß „Niveaulosigkeit“ kein geeignetes Synonym für Atheismus ist.