Von Hermann Riedle

In der vergangenen Woche feierte man in Bremen den „Tag des Kaffees“ – eine Demonstration des guten Einvernehmens zwischen Kaffee-Produzenten in Übersee und Kaffeeverbrauchern in der Bundesrepublik. Auch die Kaffeesteuer kam bei dieser Gelegenheit ins Gespräch, wobei zwar bedauert wurde, daß sie die Absatzchancen für den schwarzen Trank in Deutschland stark mindere, hingegen im gegenwärtigen Augenblick der Finanzminister auf diese „sichere“ Einnahme nicht werde verzichten können. Unser Beitrag will einigen Fragen nachspüren und vor allem den Gesichtspunkt der „verhinderten Entwicklungshilfe“ untersuchen.

Mijnheer Cornelius Dekker, bekannt unter dem Namen Bonteköe, dem der Kaffee seinen Siegeszug verdankt, verdient ein Denkmal! Schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts pries er jenes Getränk als Gesundheitsmittel nicht nur gegen „Skorbut, Halsgeschwüre und Kolik“, sondern auch gegen „stinkenden Atem, rote Augen und manniglich andere Übel“.

Der damals einsetzenden ersten großen Kaffeehausse stand jedoch die Obrigkeit keineswegs untätig gegenüber. Nicht so sehr von den gesundheitlichen Wirkungen überzeugt, erließ sie je nach Mentalität abgestufte Einfuhrhemmnisse und Verbote. Da in England die Kaffeetrinker sogar „zu argen Rebellen gegen die Obrigkeit wurden“, schloß der König 1674 kurzerhand sämtliche Kaffeestuben. Dieser „Tiefschlag“ dürfte die Ursache dafür sein, daß England heute noch als Entwicklungsland anzusehen ist – was den Kaffee betrifft.

Weitaus moderner gingen jedoch jene deutschen Stadträte und Fürsten vor, die gesundheitspolitische Gründe mit fiskalischen Erwägungen verbanden und den Kaffee mit einer hohen Steuer belegten. – An diese seit den Zeiten Friedrich des Großen nicht mehr erhobene Taxe erinnerten sich die Alliierten, als sie nach 1945 zur finanziellen Sanierung der heutigen Bundesrepublik schritten. Die „neue Kaffeesteuer“ hatte, anders als vor 200 Jahren lediglich den Zweck, dem Staat Einnahmen zu verschaffen; sie trug damit bereits von Anfang an den Keim des Ärgernisses in sich. Heute gilt zwar Kaffee vom ernährungswissenschaftlichen Standpunkt immer noch als Genußmittel; im täglichen Leben besitzt er aber als verbreitetes Konsumgut eine viel größere Funktion.

Es ist nicht die Kaffeesteuer selbst, sondern die in den letzten Jahren stark gestiegene Bedeutung dieser Abgabe im Verhältnis zum Wert des eingeführten Rohkaffees, die Anlaß zur Kritik gibt. Seit 1954 und insbesondere seit 1958 ist ihr Aufkommen derart gewachsen, daß sie 1962 (820 Millionen DM lt. Haushaltsplan) fast den Wert der geschätzten Rohkaffe Einfuhr von 874 Millionen erreichen wird. (Vgl. unsere nebenstehende Graphik.)

Die Ursache dieser Entwicklung liegt darin, daß die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung nicht der Wert, sondern das Gewicht bildet. Da die Kaffeepreise in den letzten Jahren ständig gesunken sind, konnten für denselben Betrag wesentlich höhere Mengen importiert werden, die aber die Grundlage für die Kaffeesteuer bilden. Der Verbraucher jedoch muß konstatieren, daß der Rohkaffeepreis allein durch die Kaffeesteuer um fast 130 % mehr belastet ist als 1951. Wahrlich kein Pappenstiel!