Mit der Gründung neuer Fonds hat man es zur Zeit nicht sonderlich eilig. Dafür gibt es im wesentlichen zwei Gründe. Die lange Aktienbaisse hat die Begeisterung für das Investmentsparen merklich gedämpft, denn die Zertifikatsbesitzer mußten erkennen, daß auch sie die allgemeine Abwärtsbewegung der Kurse nicht ungerupft überstanden haben. Das räumte mit einigen Illusionen auf. Zum anderen ist der Markt mit Investment-Fonds seit langem gut versorgt. Alle möglichen Varianten sind weitgehend ausgeschöpft. Nur den findigen Schweizern ist es noch einmal gelungen, eine Lücke in dem dichten Netz der Fonds zu entdecken. Unter der Treuhänderschaft der Handelsbank in Zürich ist in diesen Tagen ein Anlagefonds für Rohstoff werte – genannt „Romit“ – zur Zeichnung aufgelegt worden. Darüber Näheres!

Als ich zuerst von dem Plan hörte, meine verehrten Leser, daß ein Fonds für Rohstoffe werte aufgelegt werden sollte, war ich – gelinde gesagt – „erstaunt“, denn in den letzten Jahren haben sich die Anleger eigentlich mehr und mehr von reinen Rohstoff- und Grundstoff papieren abgewandt, aus der richtigen Erkenntnis heraus, daß eigentlich nur noch in der Verarbeitung gut verdient werden wird. Man löste sich, soweit nicht Sonderinteressen eine Rolle spielten, von den Kohleaktien. Stahlaktien waren kaum gesucht und es ist nicht zu bestreiten, daß in der Bundesrepublik Erdölaktien nicht gerade zu den gefragtesten zählen. Wir wissen, daß Kohle und die heimische Erdölförderung subventioniert werden müssen, um rentabel zu sein. Wir wissen aber auch, daß die Erdölquellen der großen internationalen Konzerne in vielen Ländern in Gefahr sind, enteignet und verstaatlicht zu werden. Die unternehmerische Ausbeutung von Bodenschätzen wird immer schwieriger, weil sie am stärksten den politischen Zugriffen ausgesetzt und die Betriebe nicht in der Lage sind, durch Verlagerung sich der Enteignung zu entziehen.

Man kann davon ausgehen, daß sich der Romit-Fonds dieser Problematik durchaus bewußt ist. Er trägt ihr Rechnung durch eine überraschend umfangreiche Anlageliste, die Gesellschaften aus dem Bereich von Erdöl, Erdgas, Eisen und Stahl, Nichteisen-Metalle, Edelmetalle, Diamanten, Holz und Zellulose, Kohle, Schwefel, Kali und Zement aufführt. Die Liste umfaßt rund hundert Gesellschaften aus nahezu allen Ländern der westlichen Welt, in denen es Aktiengesellschaften der genannten Bereiche gibt. Selbstverständlich wird man im Anfang nicht alle Gesellschaften berücksichtigen, außerdem wird es Schwerpunktbildungen geben. Wenn dies richtig geschieht, dann kann Romit tatsächlich ein interessanter Fonds werden. Überdies darf man nicht vergessen, daß viele Gesellschaften der Anlageliste zwar rein oberflächlich betrachtet, Rohstoffwerte darstellen, doch selbst schon weit in die Verarbeitung eingedrungen sind. So fördern die Erdölkonzerne zwar immer noch Erdöl, aber wichtiger sind heute ihre Raffinerien, ihre Transportmittel und ihr Verteilungsapparat geworden. Man kann die Quellen verstaatlichen, aber braucht dann weiterhin einen Käufer – und das können nach Lage der Dinge in der Hauptsache nur die alten Konzerne sein. Das nur als Beispiel.

Tatsache ist, daß in vielen Ländern die Kurse der sogenannten Rohstoffgesellschaften stark gedrückt sind. Bei ihnen kamen in den letzten Jahren zwei Dinge zusammen. Einmal die weltweite Börsen-Baisse, der sich die Rohstoffaktien naturgemäß nicht entziehen konnten, zum anderen aber die Baisse an den internationalen Warenmärkten, die mit zeitweisen Unterbrechungen seit der Suez-Hausse in Stagnation verharren. Die Romit-Väter scheinen nunmehr davon auszugehen, daß erstens die allgemeine Baisse an den Börsen ihren Tiefpunkt überwunden hat, es dort also wieder aufwärts gehen wird, und daß zweitens bei den Rohstoffen jetzt günstigere Marktbedingungen bestehen. Also eine doppelte Spekulation. Allerdings mit geringem Risiko, denn die meisten „Rohstoffaktien“ haben ein Kursniveau erreicht, das attraktive Renditen gewährt. Deshalb rechnet der Fonds mit guten Ertragsmöglichkeiten, die man ihm wohl auch bescheinigen kann.

Nun noch ein paar Worte zum Fonds selbst. Treuhänder ist – wie schon erwähnt – die Handelsbank in Zürich, als seriöses schweizerisches Kreditinstitut wohlbekannt. Deutsche Zeichnungs- und Zahlungsstellen sind: Bankhaus H. Aufhäuser, München; B. Metzler seel. Sohn & Co, Frankfurt am Main; Bankhaus Neelmeyer & Co, Bremen; C. G. Trinkaus, Düsseldorf; Vereinsbank in Hamburg, Hamburg; Westfalenbank AG, Bochum. Natürlich nehmen auch alle anderen Kreditinstitute und Sparkassen Zeichnungen entgegen. Wenn ich die deutschen Banken aufführte, die sich sozusagen „hinter“ Romit gestellt haben, dann um Ihnen zu sagen, daß man zu den Romit-Vätern Vertrauen haben darf, ohne damit behaupten zu wollen, daß diese Väter immer zur rechten Zeit das Richtige tun werden. Das muß man abwarten, doch kein Gewinn ohne Risiko.

Zur Technik des Fonds: In der Anlagepolitik besteht größte Freizügigkeit. Vorübergehend können Mittel auch festverzinslich angelegt werden. Die Handelsbank in Zürich ist für einen außerbörslichen Handel der Zertifikate besorgt. Grundsätzlich sind die Zertifikate frei handelbar. Auf Wunsch kauft die Fondsverwaltung jederzeit Zertifikate zurück. Realisierte Kursgewinne können ganz oder teilweise ausgeschüttet werden.

Bis zur nächsten Woche! Ihr Securius