Hans Habe schrieb einmal einen Satz, der mir sehr eingeleuchtet hat. Deutschland sei ein Polizeistaat – hieß es da, dem Sinne nach –, nicht so sehr deswegen, weil die Polizei hier wesentlich mehr Macht hätte als in anderen Ländern; sondern vielmehr deswegen, weil in Deutschland die Neigung des einzelnen, selber Polizei zu spielen, überentwickelt sei.

Ein besonders leicht zu beobachtendes Beispiel geben die „Verkehrsteilnehmer“, vor allem die Autofahrer, die sich gegenseitig mit „Verwarnungen“ überhäufen, welche zwar nicht gebührenpflichtig sind, aber nervenzersägend.

Wer nach anderen Beispielen sucht, der nehme das Folgende.

Da hat also ein junger Mann, mit Namen Rolf Hochhuth, ein Drama geschrieben, in dessen Mittelpunkt Papst Pius XII. („Der Stellvertreter“) steht und sein (nach Hochhuths Urteil: viel zu passives) Verhalten gegenüber den Judenpogromen.

Diese? Drama ist von Seiten der Kirche heftig attackiert, worden. Völlig zu Recht. Jeder, der berufen ist, die Interessen der Kirche gegen die Interessen der Literatur zu vertreten, wird nicht umhinkönnen, gegen Hochhuths „Stellvertreter“ Einspruch zu erheben.

Nicht weil dieses Stück antikatholisch oder gar antireligiös wäre. Die das behaupten, haben es nicht richtig gelesen. Schließlich ist nicht nur der „Bösewicht“ des Stückes Katholik, sondern auch der „Held“.

Hochhuths Drama ist weder ein „billiges Machwerk“ noch ein „Pamphlet“; es ist der für einen Bühnen-Erstling erstaunlich gelungene Versuch, fleißig, gewissenhaft erarbeitete und dokumentierte Zeitgeschichte in eine auf dem Theater spielbare Form zu bringen.