„Gustav Wasa“ und „Erich XIV.“ von August Strindberg

Als deutsche Erstaufführung brachten die Kammerspiele eine Zusammenfassung zweier Strindbergscher Königsdramen von Franz Hoellering. Der Dichter schrieb die beiden Stücke „Gustav Wasa“ und „Erich XIV.“ im Jahre 1899, also in seiner produktivsten und reifsten, letzten Schaffensperiode. Er wird wohl gewußt haben, warum er den beiden Gestalten, dem Vater und dem Sohn, je einen ganzen Abend zudachte. Der Versuch, seine Planung zu verbessern, mußte daher scheitern. Die große Figur des ersten Wasa hat sich in dieser Bearbeitung der Verkleinerung zu einer Vorspann-Figurine zu bequemen. Auch die im ersten Teil sozusagen nur angespielte Rolle des Lübecker Ratsherrn Israel bleibt in der Luft hängen: Sie hätte auch noch dem Rotstift anheimfallen dürfen. Nicht genug mit den dramaturgischen Mängeln, die sich notwendig aus der Gewichtsverschiebung zwischen den Schicksalen des Befreiers Schwedens und seines halbverrückten Nachfolgers ergaben, nahm Peter Lühr für seine Inszenierung noch eine weitere „Einrichtung“ vor, die sich hauptsächlich in Über- oder Unterspielungen bemerkbar machte. So kam, bei manchen guten Augenblicken und ausgezeichneten darstellerischen Einzelheiten – Peter Pasetti (König Gustav), Gerd Baltus (König Erich), Gertrud Kückelmann (Karin), Wolf gang Büttner (Herman Israel), Robert Graf (Jakob Israel), Rolf Boysen (Göran Persson) – ein im ganzen verunglücktes Unternehmen zustande, dessen Opfer unschuldigerweise August Strindberg wurde. a-th

STUTTGART (Kleines Haus des Stadttheaters):

„Purpurstaub“ von Sean O’Casey

Die Stücke des irischen Dichters, der 83jährig in einem südenglischen Dorf lebt, fassen langsam, aber mühsam Fuß auf deutschen Bühnen. In „Purpurstaub“, 1940 als „abwegige Komödie“ geschrieben, „nimmt der Dichter eine versöhnlichere, humorvolle Haltung ein, was nicht heißen soll, daß er den Angriffsgeist eingebüßt hätte“, schreibt Jörg Wehmeier (einer der beiden Übersetzer). Nach dem irischen Generalthema O’Caseys „Tommy go home“ werden zwei reiche Engländer, Börsenjobber, verspottet, die sich mit irischen Liebchen „Nächte von Purpur und Tage in Gold“ machen wollen. Ein altes Gutshaus soll zu diesem Zweck als Herrensitz wiederhergestellt werden. Aber die irischen Arbeiter sabotieren ihren Auftrag, so daß am Ende das Haus ruinierter aussieht als zuvor. Das ist, wie Rolf Michaelis in der Stuttgarter Zeitung schreibt, „sicher keine große Dichtung. aber ganz sicher Theater, herrliches komödiantisches Theater, mit Kunst komponiert“. Nach übereinstimmenden Urteilen der Kritiker verfehlte jedoch der Regisseur Peter Palitzsch den Stil. „Er verkennt die wahre Form des Werkes, die immer enger werdenden Kreise der drei Akte.“ Dazu die FAZ: „Was zu seinem Recht kam, war das Grotesk-Komische (Palitzsch) nimmt, gewissenhaft, wie er ist, den Autor beim Wort, nicht bei dem, was vielleicht zwischen den Zeilen steht.“ Clara Menck zweifelt sogar, „ob O’Casey mit dieser Ausgrabung nicht ein Bärendienst erwiesen wurde trotz aller guten Stellen“. In den Hauptrollen: Hans Mahnke und Heinz Baumann als die komischen Engländer, Liselotte Rau und Helga Zeckra als die Flittchen.

AUGSBURG (Stadttheater):

„La vida breve“ von Manuel de Falla