Der wechselhafte Monat April brachte keine atemberaubenden Veränderungen in unseren Buchhandlungen: Nach wie vor ist die Nachfrage nach Hodihuths „christlichem Trauerspiel“ und den Erzählungen Thomas Manns am größten.

Immerhin, zwei neue Titel sind dazugekommen, beide stammen aus dem Hause Rowohlt, und beiden hätte niemand prophezeien können, daß sie Anklang finden würden bei einem breiteren Publikum. Ulrich Sonnemanns „deutsche Reflexionen“ über dieses unser „Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten“, obwohl in vieler Weise anregend und provozierend, sind alles andere als eine einfache Lektüre. Sonnemann, im Hauptberuf Betriebspsychologe in den Vereinigten Staaten (er emigrierte 1934 und kehrte erst 1955, und auch nur teilweise, in die Bundesrepublik zurück), teilt seine Hiebe nach rechts und links, nach oben und unten gleichermaßen aus, er nimmt groß und klein gleichermaßen ins Verhör, tadelt die deutsche Indifferenz, Feigheit und Ideenlosigkeit, und das alles in höchst verzwickten, wort- und bildreichen Sätzen.

Ebensowenig war dem (vor einiger Zeit schon im Ostberliner Verlag Volk und Welt erschienenen) Roman des fünfzigjährigen Brasilianers Jorge Amado anzusehen, daß sich eine größere Leserschaft für ihn erwärmen würde; die iberische und iberoamerikanische Literatur geht seltsamerweise schlecht, wie alle Verleger, die sich für sie hartnäckig einsetzen, immer wieder beklagen. Dieser Roman um die „nelkenduftende und zimtfarbene Gabriela“, der Politik und Verbrechen mit viel Erotik und Schnaps vergnüglich verquickt, verspricht: „Liebesaffären und Mordtaten, Festessen und Krippenspiele, die ferne ruhmreiche Vergangenheit stolzer Adliger und beschränkter Grobiane und die jüngste Vergangenheit reicher Farmer und berühmter Revolverhelden, mit Einsamkeit und Seufzern, Begierde, Rache und Haß, mit Regen, Sonne und Mondschein, unerbittlichen Gesetzen und politischen Machenschaften, einem aufregenden Kriminalfall, Gaukeleien, Tänzerinnen, Wundern und anderem Zauber...“ – und ein solches Überangebot farbenfroher Handlung verlockt auch die reservierteren Leser. Es wäre zu hoffen, daß dieser Roman hilft, den spanischen und portugiesischen Literaturen bei uns den Weg freizumachen. D.E.Z.