Die asiatische Filmwoche

Filmfestivals stehen meist unter irgendwelchen freundlichen Mottos: „Wege zum Nachbarn“, „Blick über den Zaun“, sie sollen „dem Frieden und der Freundschaft unter den Nationen und der Menschlichkeit in der Filmkunst“ gewidmet sein –, und auch in Frankfurt, wo man die Zweite Woche des asiatischen Films erleben konnte, hält man es – hochoffiziell – mit der Völkerverständigung. Bürgermeister und andere ehrenwerte Offizielle, sie können sich meist nicht genug damit tun, formulieren gutgemeinte Appelle, blicken über den Zaun, freundlich natürlich, „macht nicht so grimmige Filme“, wünschen sie sich, „sondern ein bißchen Traumkulisse“ (so der lübische Bürgermeister bei den Nordischen Filmtagen). Friede und Freundschaft unter den Nationen...

Zurück zur Frankfurter Veranstaltung, zur Woche des asiatischen Films, zur bundesdeutschen Realität.

Groß ist Asien und mindestens zur Hälfte kommunistisch. Für Filme aus dieser Hälfte aber haben wir eine feine Extra-Einrichtung, den „Interministeriellen Ausschuß“. Den Blick starr nach Osten (für Franco-Spanien gibt es dergleichen nicht), arbeitet man dort, übt Zensur aus, und zwar nicht zimperlich.

Drei Filme aus Nord-Vietnam wurden verboten, die Delegation des Landes freundlicherweise gleich mit ausgesperrt. Frieden und Freundschaft und Völkerverständigung. Natürlich nicht mit den Kommunisten!

Der erste Film, „Zwei Soldaten“, wurde verboten, weil er einen humanen nordvietnamesischen Soldaten zeigt – die gibt es dort offenbar nicht, nur bei uns sind die Landser so menschlich. Der zweite, „Der Zaunkönig“, fiel gewissermaßen dem Gegenteil zum Opfer, er zeigt nämlich einen bösen Südvietnamesen – und Böse gibt es natürlich nur drüben. Der dritte schließlich, „Sie sind der Gewinner“, schildert – horribile dictu – wirtschaftliche Verhältnisse in Nordvietnam, ist also kommunistische Propaganda, muß verboten werden.

Zur Beratung zugezogen hatte der Bonner Ausschuß – kluger- und objektiverweise – einen Südvietnamesen. Der gab eine Presseerklärung ab und meinte, Südvietnam rühre ja schließlich auch die früheren Kolonialverhältnisse nicht an, tue also Deutschen und Franzosen nicht weh, in Nordvietnam hingegen –