Der gefährlichste Feind des Dichters ist nicht die politische Diktatur, sondern das technische Vergnügen der Masse, die keine Freiheit, sondern ein bequemes Leben will. Walter Muschg

Der neue Mann bei Ullstein

Der Ullstein-Verlag beabsichtigt, die große Tradition seiner Unterabteilung Propyläen-Verlag wieder lebendiger werden zu lassen. Axel Cäsar Springer, Besitzer der Mehrheitsanteile am Ullstein-Verlag (wie an der „Welt“, der „Bild-Zeitung“, dem Hamburger „Abendblatt“, „Hör zu“, der „Welt am Sonntag“ dem „Neuen Blatt“ und zahlreichen anderen Publikationen – bisher noch nicht am Deutschen Fernsehen), löste die Aufgabe, wie jeder große Verleger das getan hätte: Er steckte mehr Geld in das Geschäft und suchte sich einen ausgezeichneten Mann als Verlagsleiter. Den ausgezeichneten Mann fand er in Wolf Jobst Siedler, bisher Feuilletonchef des Berliner „Tagesspiegels“ und den Lesern der ZEIT von zahlreichen Artikeln sowie, als lupus, von seinen Fernsehkritiken her bekannt.

Bundesfilmprämien

Der Bundesinnenminister Höcherl hat die 1,4 Millionen Mark Spielfilmprämien verteilt. Je 200 000 Mark bekommen die Filme „Bekenntnisse eines möblierten Herrn“, „Die Dreigroschenoper“, „Die endlose Nacht“, „Er kann’s nicht lassen“, „Das Feuerschiff“, „Der Schatz im Silbersee“ und „Das schwarz-weiß-rote Himmelbett“. Das Geld muß für die Herstellung neuer Filme verwendet werden. Staudte kann sich also an die Mahagonny-Operette und Thiele an einen erneuten Anlauf zur Erhellung der weiblichen Psyche wagen. Des weiteren – rund sechzig Karl Mays liegen auch noch brach.

War es falsche Bescheidenheit, welche den Aufgeber dieser Anzeige im Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel veranlaßte, den Buchhändlern eine doch ganz interessante Information vorzuenthalten? Hinter „Zeitungen und Zeitschriften“ sollte der Relativsatz stehen: „die alle, wie der Ullstein Verlag, zum Hause Springer gehören“.

Für Kunst von heute