FÜR alle, die in dem Autor von „Des Teufels General“ und „Der Hauptmann von Köpenick“ nur den bühnenwirksamen Dramatiker kennen –

Carl Zuckmayer: „Geschichten aus vierzig Jahren“; G. B. Fischer Verlag, Frankfurt; 480 S., 12,80 DM.

ES ENTHÄLT vierzehn Erzählungen, und zwar: Die Geschichte eines Bauern aus dem Taunus; Krimwein; Geschichte von einer Geburt; Die Geschichte von einer Entenjagd; Die Geschichte vom Tümpel; Eine Weihnachtsgeschichte; Die Affenhochzeit; Der Seelenbräu; Die wandernden Hütten; Eine Liebesgeschichte; Das Herz der Könige; Herr über Leben und Tod; Engele von Loewen; Die Fastnachtsbeichte.

ES GEFÄLLT als eine Auswahl, die den ganzen Zuckmayer umfaßt – falls dieses Paradox erlaubt ist. Liest man die Geschichten in der Reihenfolge ihrer Entstehung, so erstaunt man darüber, wie unverkennbar Zuckmayersch jede Zeile ist und welch große Spannweite dieses Werk dabei doch hat: Naturalistisch zeitgemäß (auf eine rheinische, beinahe versöhnliche Art) in der „Geschichte von einer Geburt“ (1922), heiter-beschaulich im „Seelenbräu“ (1945), kann Zuckmayer ebensogut ein Märchen von den „Wandernden Hütten“ (1948) aus den Vorratskammern seiner Phantasie hervorholen, rückt mit seiner „Liebesgeschichte“ (1934) in die Nähe Fontanes und entwickelt in seiner (vorerst) letzten großen Erzählung, der „Fastnachtsbeichte“ (1959), den Handlungsverlauf mit beinahe kriminalistischer Perfektion. PeK