Auf einmal hieß es, wir kriegen einen neuen Oberstudiendirektor, der Alte geht in Ruhestellung. Der Alte wir dick, über er ist einem nicht weiter dumm aufgefallen. Kaum daß er mich mal belästigt hat. Er war ganz gemütlich und ging uns meistenteils aus dem Wege. Der Neue schnüffelte aber überall herum und ist ziemlich mager. Im Treppenhaus legt er einem die Hand auf die Schulter und schaut einem ins Auge, als wenn man krank ist, und fragt, wie es daheim geht. Ich antworte, so lala, was soll ich sonst sagen, sollte ich mich vielleicht mit ihm streiten?

Alle zwei Chefs haben ein und dieselbe Unart. Sie stellen sich gern hin und halten eine Ansprache. Der alte Direx stieß dabei laufend lateinische Zitate aus, z. B. mens sana siehe Kapitel 5), weil er lieber von einem humanistischen Gymnasium Direktor geworden wäre als von einen normalen. Er hat eine Tochter bei uns an der Penne, welche er Helena ruft, mit Betonung auf dem „He“. Sie sitzt in der Prima und sieht aus, als wenn sie darauf wartet, daß sie einer wegraubt. Aber den Waldheini will ich erst mal sehen. Der Neue ist modern und sagt, daß die Griechin und die Römer nicht unsere Ideale zu sein brauchen, von denen wir uns eine Scheibe abschneiden können, sondern von Albert Schweitzer. Früherwollte ich auch einmal Urwalddoktor werden, alter ich glaube, ich eigne mich besser zum Raketenkonstrukteur. Der Neue weiß nur englische Zitate, z. B. last not least. Er ruft, er will eine moderne Schule aus uns machen, das alte war gut und schön, aber neues Leben blüht in der Ruine.

Darum sind bald Arbeiter in die Schule gekommen und haben in allen Klassen ein Loch in die Wand geschlagen und da hinein einen Lautsprecher montiert. Nun kann der Chef uns immer erreichen, wenn er will. Er kann in seinem Zimmer stehen bleiben und vor sich hin ins Mikrofon sprechen, und man hört ihn überall, ob man will oder nicht. Z. 3. ruft er uns zu: „Guten Morgen, frisch und fröhlich ans Werk“ und den Spruch des Tages oder wann eine Feier sein wird oder Fröhliche Weihnachten, je nachdem, in welcher Jahreszeit er ruft.

Das sagt er unten bei sich im Zimmer, und bei uns oben kommt noch ein bißchen Kratzen und Pfeifen dazu, manchmal vergißt er auch, den Apparat abzustellen, dann kann man hören, wie er auf die Regierung schimpft.