Öl beziehungsweise sein „Abfallprodukt“ Raffineriegas sowie Kernenergie werden beim Ausbau der bayerischen Stromversorgung in den nächsten Jahren im Vordergrund stehen. Dabei wird die Bayernwerk AG, München, am Bau eines Raffineriegas-Kraftwerkes in Ingolstadt auch dann festhalten, wenn Bonn die Besteuerung von Raffineriegas verwirklichen sollte, da die Anlage- und Rohstoff kosten 15% niedriger kalkuliert werden als die eines herkömmlichen Kraftwerkes. Wie Vorstandsvorsitzender Dr. L. Wolf erklärte, werde die Kohle über die Raffgassteuer nicht eine Tonne mehr absetzen, Bayern jedoch um die Chance gebracht, wenigstens den Strompreis zu halten. Die 1961 durchgeführte Strompreissenkung hat sich diesmal im Geschäftsjahr 1961/62 (30. 9.) voll niedergeschlagen. Wolf bezifferte den Rückgang der Stromerlöse bei der Gesellschaft auf 17 Mill. DM, die Einsparung der bayerischen Stromverbraucher auf 40 Mill. DM. Nach Abschluß des Ingolstädter Ausbaues – der erste Abschnitt kostet etwa 88 Mill. DM – soll in etwa vier Jahren ein Steinkohlenkraftwerk in Bamberg errichtet werden.

Mit den Bauten für das erste deutsche Atomgroßkraftwerk in Grundremmingen (Landkreis Günzburg) wurde vor einem halben Jahr begonnen. Das Kraftwerk, das im Sommer 1966 den Betrieb aufnehmen wird, soll eine Leistung von 250 000 Kilowatt erreichen. Einschließlich der 65 Mill. DM für die Brennstoff-Erstausstattung werden die Kosten, auf rd. 350 Mill. DM veranschlagt. An der hierfür gegründeten Kernkraftwerk RWE-Bayernwerk GmbH ist RWE mit 75 % beteiligt. Das derzeit 10 Mill. DM betragende Stammkapital soll im Laufe der Zeit auf 100 Mill. DM erhöht werden. Von weiteren Großprojekten wird Ende 1964 der Teilbetrieb und ab 1966 der Vollbetrieb des 325 MW.-Hochgebirgsspeicherkraftwerkes Kaunertal der Tiroler Wasserkraftwerke AG möglich sein, an dem sich RWE und Bayernwerk finanziell beteiligen. Im September dieses Jahres wird das Steinkohlenkraftwerk Aschaffenburg den Probebetrieb des neuen 150 MW.-Drehstromblockes aufnehmen.

Das Bayernwerk, das seit der Währungsreform rd. 1,06 Mrd. DM investiert hat, will in den nächsten drei Jahren etwa 400 Mill. DM aufbringen. Dabei wird auch ein Fremdmittelbedarf von etwa 150 Mill. DM erwachsen, den man voraussichtlich 1964 teilweise über eine Obligationen-Anleihe hereinbekommen will. Die Finanzierung erfolgt auch über die Aufnahme von Schuldscheindarlehen; schließlich hofft man auf eine Kapitalerhöhung der beiden Aktionäre, der bundeseigenen VIAG und des Landes Bayern. Im Berichtsjahr wurden etwa 70 Mill. DM investiert, davon 54,2 (51,0) Mill. DM mit Abschreibungen und Wertberichtigungen finanziert. Nachdem 2,9 (5,3) Mill. DM in die Rücklagen gingen, bleiben 12,5 Mill. DM auf unverändert 8% Dividende zugeschnittener Gewinn. Das Aktienkapital wurde im Berichtsjahr durch Umtausch von Wandelobligationen um 10 auf 160 Mill. DM erhöht.

t. r.