Eine „Pionierleistung“

Der Chef der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA), Berlin–München, Dr. h. c. Erich Schultze‚ hat vor der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft in Berlin das wesentlich von ihm forcierte Bemühen um Lizenzgebühren für private Tonbandaufnahmen als „Pionierarbeit“ bezeichnet. Es sei „sicher“, daß die private Vervielfältigung urheberrechtlich geschützter Werke eines Tages „in irgendeiner Weise“ gebührenpflichtig werden, wie es heute bereits beim Kauf einer Schallplatte der Fall sei. Im gleichen Vortrag führte Schultze Beispiele aus weder kulturell noch juristisch unterentwickelten Länder an, in denen bei weitem noch nicht so stattliche Tantiemen für die Urheber vereinnahmt werden, wie sie 1962 mit rund 100 Mill. DM in die GEMA-Kassen geflossen sind. Die Siegesgewißheit des GEMA-Chefs ist seine Angelegenheit; der Bundestag hat in diesen Tagen bei der ersten Lesung der Novelle zum Urheberrechtsgesetz Gelegenheit, aus wohlerwogenen Gründen dem militanten „Pionier“ einen Dämpfer aufzusetzen. Schon vor einem Jahr hat das Bundeskabinett den Teil im Gesetzentwurf des Justizministeriums gestrichen, der private Tonbandaufnahmen lizenzpflichtig machen sollte. Drei Ausschüsse des Bundesrates waren der gleichen Ansicht. Der Bundestag ist zwar nicht verpflichtet, diesen Argumenten zu folgen. Er sollte aber bedenken, ob die Bundesrepublik das erste und einzige Land werden soll, das der privaten Schnüffelei der GEMA-Beauftragten Tür und Tor öffnet. Denn auf diese „Pionierleistung“ liefe praktisch die Gebührengenehmigung hinaus.

Gelungene Kreuzung

Bundesverteidgungsminister von Hassel sprach von einer gelungenen Kreuzung französischen und deutschen Ingenieurgeistes, und sein französischer Kollege Messmer pries das silbrig schimmernde Flugzeug als ein Symbol deutsch-französischer Zusammenarbeit und Freundschaft. Auf dem elf Meter hohen Leitwerk stand V1 zu lesen, Versuchsmuster Nr. 1, und der Name des mit militärischem Pomp aus der Taufe gehobenen Flugzeugtyps: Transall C 160. In dem Rumpf mit den Ausmaßen eines Güterwagons unterzeichneten die Minister den Bauauftrag für die sogenannte Null-Serie, der, wenn mit der Erprobung alles gut geht und die Parlamente ihre Einwilligung geben, eine Serie von 150 Flugzeugen folgen soll, von der die Bundeswehr 110 Stück erhalten würde. Für die beteiligten deutschen Firmen – die Hamburger Flugzeugwerke und Weserflug Bremen – wären das die heiß ersehnten Anschlußaufträge, die ihnen die weitere Beschäftigung sichern würden. Das Entscheidende an dem neuen Projekt ist jedoch, daß es erstmalig die Möglichkeiten internationaler Zusammenarbeit demonstriert. Rumpf und Leitwerk kommen aus Deutschland, das Tragwerk von der französischen Firma Nord Aviation und die Triebwerke aus England von Rolls Royce. Gemeinsam wurde es von den Firmen konzipiert, entworfen, konstruiert und schließlich gebaut. Nach Richtlinien, auf die sich vorher die Führungsstäbe der Luftstreitkräfte beider Länder geeinigt hatten. Im nächsten Jahr kann die Bundesluftwaffe vielleicht schon die ersten neuen Transportflugzeuge der Allianz übernehmen.