Aktionsprogramm der EWG: Ziel ist nach Minister Schröders Vorschlag die Wiederbelebung der EWG durch Aufstellung eines Kalenders bis Mitte 1964. Ähnliches hat Hallsteins Brüsseler EWG-Kommission schon letzten Herbst mit ihrem „Aktionsprogramm“ für die 2. Stufe (bis Ende 1965) getan – da steht aber die langfristige EWG-Programmation zum Kummer Prof. Erhards im Mittelpunkt.

Synchronisierung: Die Deutschen wollen den gleichmäßigen Weiterbau der EWG, bemängeln die bisherige Bevorzugung der gemeinsamen Agrarpolitik. Alle wichtigen Sachbereiche sollen im neuen EWG-Aktionskalender Platz finden: Steuer-, Sozial-, Verkehrs-, Energiepolitik – vor allem aber die Außenbeziehungen der EWG zu England, den USA, Österreich, Dänemark, Schweden, Norwegen. Ziel: auf der Basis welfoffener, liberaler Außenbeziehungen den Gemeinsamen Markt nach innen festigen. Paris will Basis und Ziel umkehren.

Kennedy-Runde: Der Trade Expansion Act erlaubt der Regierung Kennedy den „linearen“ Zollabbau um 50 % für die meisten Industrieprodukte, wenn die EWG und die anderen US-Handelspartner dasselbe tun. Dieses Gesetz ist eine Sensation: bisher mußte mit den USA über jede einzelne der vielen Tausend Zollpositionen gehandelt werden, jetzt ist bei Gegenleistung möglich, die Masse der Zölle „über einen Leisten zu scheren“. Die USA verlangen, daß außer über Industriezollabbau auch über die Senkung der Agrarhandelsschranken mit Europa verhandelt wird.

Gleichgewichtiger Zollabbau: Das ist die Antwort der sechs EWG-Regierungen auf Kennedys Plan. 110 Zollpositionen der USA liegen über 25 %, bei der EWG nur 7. 19 % aller US-Zölle überschreiten 30 %, bei der EWG nur 0,3 %. Zölle von 70, 80, 90 % sind in den USA keine Seltenheit. Die EWG kennt das nicht. Die einfache Halbierung (nach Kennedys Plan) aller Zölle beseitigt deren prohibitiven Charakter in vielen Fällen nicht. Die EWG wünscht eine „gerechte“ Öffnung der Märkte: hohe Zölle sollen stärker als niedrige abgebaut werden.

Zollharmonisierung: Das Ziel ist die Angleichung der Zollniveaus aller Industrieländer – für gewerbliche Produkte 10 bis 12 %, für Halbwaren 5 bis 6 %, für Rohstoffe: null %, So möchte die EWG das Kennedy-Programm positiv weiterentwickeln.

„Grüne Zange“: Frankreich will in der EWG seine Agrarüberschüsse verkaufen. Es verlangt dazu die EWG-Agrarpolitik. Sie ist ohne Angleichung der Getreidepreise (Senkung in Deutschland) unerreichbar. Bonn verweigert den Preisabbau mit Blick auf Bundestagswahl 1965. Paris fordert: erst Agrarpolitik, dann Kennedy-Runde. Bonn bremst: erst Kennedy-Runde, dann Agrarpolitik.